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IT-Gipfel 2016: Prestige-Projekt Bildungscloud

Mit einer neuen schulübergreifenden Plattform soll in Deutschland lebenslanges Lernen gefördert werden. Vieles liegt jedoch im Unklaren, ein Prototyp soll möglichst bald in Schulen starten.

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IT-Gipfel 2016: Prestige-Projekt Bildungscloud

(Bild: heise online / Torsten Kleinz)

Digitale Bildung ist eines der Kernthemen des Nationalen IT-Gipfels in Saarbrücken. Hier gibt es einen ersten Einblick in ein Prestige-Projekt der Bundesregierung: die "Bildungscloud". Das mit viel Pomp angekündigte Projekt soll am Donnerstag offiziell von Bundesbildungsministerium Johanna Wanka (CDU) vorgestellt werden, bereits am heutigen Mittwoch gab es erste Einblicke.

Das Projekt Bildungscloud soll aus zwei verschiedenen Bereichen bestehen. Langfristig soll es eine Plattform bereitstellen, auf der Bürger sich lebenslang fortbilden können. In der Bildungscloud sollen möglichst viele digitale Bildungsgangebote versammelt werden, die Interessenten dann zielgenau empfohlen werden. So genannte Bildungsbuddies sollen die Lernwilligen dabei begleiten.

In einem ersten Schritt soll eine Schul-Cloud aufgebaut werden, die Schüler und Lehrer beim Lernen unterstützen soll. "Wir haben bereits eine gute Praxis von Insellösungen", erklärte Stefan Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium. Nun komme es darauf, die Angebote in die Fläche zu überführen. Zu oft komme es auf das Engagement einzelner Lehrer an, um digitale Angebote im Schulalltag zu integrieren.

Das vom Hasso-von-Plattner-Institut verantwortete Pilotprojekt soll einerseits die IT-Administration vereinfachen und Kosten senken, gleichzeitig aber auch Lehrern und Schülern möglichst einfachen Zugriff auf Bildungsangebote geben. Neben den eigentlichen Bildungsinhalten soll die Plattform auch Werkzeuge zur Terminplanung und zur Organisation von Veranstaltungen umfassen.

Problem dabei: Im Bildungsbereich hat die Bundesregierung wenige Kompetenzen: So wird die Schul-IT von den Gemeinden beschafft, für die Inhalte sind hingegen die Bundesländer zuständig. Müller kündigte möglichst schnelle Verhandlungen mit den Landesregierungen an. "Wenn sich die Akteure einig sind, muss es möglich sein, zügig Verhandlungen zu führen. Am Bund wird es nicht scheitern" erklärte der Staatssekretär in Saarbrücken.

Dabei wird es auch um das Finanzierungsprogramm gehen, das Wanka im Oktober angekündigt hatte. Die Bundesregierung will insgesamt 5 Milliarden Euro investieren um in den kommenden Jahren alle 40.000 Schulen mit der notwendigen Infrastruktur für digitale Lehrinhalte auszustatten. Ob Schul- und Bildungscloud aus diesen Mitteln finanziert werden sollen, ist ebenfalls noch nicht klar.

Neben den organisatorischen Details muss auch noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. So warnte Professor Marc Rittberger vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung davor, die Eltern vor vollendete Tatsachen zu stellen. "Die Frage, ob ein Kind schon mit zwölf Jahren ein Device mit in den Unterricht nehmen soll, wird von den Eltern stark diskutiert", erklärte Rittberger. Andere Diskussionsteilnehmer meinten hingegen, die Schulen blockierten sich schon zu lange selbst. Kinder würden auf alle Fälle im Netz mit fragwürdigen Inhalten konfrontiert, im schulischen Kontext könnten sie jedoch lernen, damit umzugehen.

Auch die Frage, wie offen eine solche Plattform sein kann, sorgte für Streit. So warnte Rittberger davor, dass links- und rechtsradikale Kreise sich im Internet bemühten, Kinder zu indoktrinieren. Stattdessen warb er für die Zusammenarbeit der Bildungsverlage mit den Bundesländern.

Ähnlich argumentierte Günter Winands, Amtschef der Kulturbeauftragten der Bundesregierung. Im Bildungsbereich gebe es hohe Qualitätsansprüche. "Dieser Verantwortung kann nur entsprochen werden, wenn sich die Produktion auch wirtschaftlich lohnt", betonte Winands. Kritik an diesem Ansatz kommt aus Berlin. "Stell Dir vor, 2016 gibt es einen IT-Gipfel zur digitalen Bildung und statt Vertreter offener Bildungsmaterialien sitzen nur Schulbuchverlage auf Panels", schreibt Markus Beckedahl auf netzpolitik.org. (Torsten Kleinz) / (anw)

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