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IT-Gipfel: "Bis 2020 arbeiten wir uns in die Gigabit-Gesellschaft vor"

Datenautobahnminister Alexander Dobrindt hat sich zuversichtlich gezeigt, die Breitbandziele der Bundesregierung bis 2018 zu erreichen. Mit der neuen Mobilfunkgeneration 5G müsse Europa Leitmarkt werden.

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Rüdiger Grube, Timotheus Höttges, Alexander Dobrindt (v.l.)

Rüdiger Grube, Timotheus Höttges, Alexander Dobrindt (v.l.)

(Bild: heise online / Stefan Krempl)

Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, sieht die von der Digitalwirtschaft seit Langem geforderte "Gigabit-Gesellschaft" am Horizont erscheinen. "Bis 2020 arbeiten wir uns" in diese Richtung vor, prognostizierte der CSU-Politiker am Donnerstag auf dem IT-Gipfel in Berlin. Wichtig dafür sei es etwa, dass Deutschland und Europa eine führende Rolle bei der nächsten Mobilfunkgeneration 5G spielen und dafür weitere Frequenzen verfügbar machen.

"Wir müssen uns Gedanken machen über die Gigabit-Gesellschaft", hatte Thorsten Dirks, Präsident des Digitalverbands Bitkom und Chef von Telefonica Deutschland zuvor betont. Der Breitbandausbau werde "viel Geld kosten", aber ohne diese Investitionen könnte Deutschland Schlüsseltechnik für die digitale Gesellschaft nicht mit vorantreiben. Klar sei, dass die Ansage der Bundesregierung, alle Haushalte hierzulande bis 2018 mit mindestens 50 MBit/s zu versorgen, nur ein "Etappenziel" sein könne.

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Dobrindt versicherte, dass diese Marke erreicht werde. Das von Bund und Ländern geschnürte "Milliardenpaket" für den Breitbandausbau wirke jetzt "direkt in die weißen Flecken hinein". Der Minister meinte, er habe die Diskussion satt, Amerika und Asien hinterherzuhinken. Zugleich setzt Dobrindt ähnlich wie Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel darauf, dass "wir bald den falschen Grundsatz der Datensparsamkeit überwunden haben und von Datenreichtum sprechen werden".

Timotheus Höttges, Chef der Deutschen Telekom, hält das aktuelle Breitbandziel der Regierung ebenfalls für erreichbar. Er knüpfte dies allerdings an die Bedingung, dass die Bundesnetzagentur bald die heftig umstrittenen Vectoring-Pläne des Bonner Konzerns "positiv" bescheide. In diesem Falle stünde ganz neue Technik zur Verfügung, sodass die Telekom 2018 vielleicht auch schon 250 MBit/s flächendeckend anbieten könne. Der Rosa Riese will den VDSL-Turbo Vectoring auch im direkten Umfeld der rund 8000 Hauptverteiler im eigenen Netz einsetzen, was die Konkurrenz aber weitgehend außen vor halten würde.

5G wertete Höttges als "Quantensprung bei Bandbreite und Anwendung", mit dem 10 GBit/s auf der Mobilfunkleitung kämen. "Die Südkoreaner wollen 2018 anfangen, die Japaner 2019, wir arbeiten an 2020", steckte er den Zeitplan ab. Generell solle es hybride Netzinfrastrukturen geben, die Mobil, Kupfer und Glasfaser integrieren.

Die deutsche Mobilitäts-, Logistik- sowie Informations- und Kommunikationstechnik-Industrie arbeite daran, "mit Kompetenz und Innovationskraft die Potenziale neuester Breitbandnetze und intelligenter Mobilität zu demonstrieren und zu implementieren", heißt es in der "Berliner Erklärung", dem Manifest des 9. IT-Gipfels. "Verkehrsträgerübergreifende Standards für Datenerhebung und -verarbeitung sowie für qualitativ hochwertige und sichere Smart-Data-Anwendungen" seien die Voraussetzung für intelligente Verkehrssysteme. Politik und Wirtschaft wollen dazu einen gemeinsamen Regulierungsrahmen.

"Big Data heißt bei uns vor allem Open Data", gelobte Rüdiger Grube, Chef der Deutschen Bahn, in diesem Sinne. Verfechter offener Daten werfen dem Konzern dagegen vor, Verkehrsinformationen bisher nur Google zur Verfügung zu stellen, und gerieten mit dem Konzern sogar in eine rechtliche Fehde. Die neue Schnellbahnstrecke zwischen Berlin und München wird Grube zufolge allein mit einem elektronischen Kontrollsystem überwacht und komme so "komplett ohne Außensignale" aus. Zudem gebe es bei der Bahn mehrere Pilotprojekte für automatisiertes Fahren, etwa bei der Erzgebirgsbahn.

"Der Individualverkehr wird sukzessive Teil des öffentlichen Nahverkehrs werden", konstatierte Maxim Nohroudi, Geschäftsführer des Startups Ally. Er rechne schon im nächsten Jahr mit ersten Tests in Städten, bei denen Busse nicht von einem Fahrer gesteuert und nicht an feste Touren gebunden seien. Wo für autonome öffentliche Verkehrsmittel derzeit nicht die benötigten Informationen vorhanden seien, helfe Crowdsourcing, um eine Stadt und den dortigen Nahverkehr mit einer "GPS Tracking App" zu kartographieren. (anw)