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IT-Gipfel: Produkthaftung gegen die "digitale Sorglosigkeit"

Bundesinnenminister Thomas de Maizière will Anbieter von IT-Produkten und ­Diensten gegebenenfalls stärker in die Haftung nehmen, um die Sicherheit zu verbessern. Frank Rieger vom CCC forderte ein "langfristiges Programm IT-Security".

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IT-Gipfel: Produkthaftung gegen die "digitale Sorglosigkeit"

Frank Rieger, Mathias Müller von Blumencron und Thomas de Maizière (v.l.)

(Bild: heise online / Stefan Krempl)

Bundesinnenminister Thomas de Maizière liebäugelt mit neuen Schritten, um die IT-Sicherheit zu erhöhen. Es sei sinnvoll, dazu das Zivilrecht stärker zu betrachten, erklärte der CDU-Politiker am Donnerstag auf dem IT-Gipfel in Berlin. Gegebenenfalls müssten Instrumente wie "Produkthaftung, Schadensersatzansprüche und Versicherungslösungen" gegen die von de Maizière ausgemachte "digitale Sorglosigkeit" bei vielen Nutzern und Herstellern in Stellung gebracht werden.

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Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), pflichtete dem Minister bei, dass erweiterte Haftungsregeln nötig seien. Vor allem im Bereich des Internets der Dinge und der Industrie 4.0 müssten Anbieter verpflichtet werden, "sichere Lösungen einzubringen". Er halte es für unverantwortlich, dass derzeit Roboter über iPads gesteuert würden. Dies erhöhe die Gefahr, dass "uns das um die Ohren fliegt".

Darüber hinaus warb Rieger für ein "langfristiges Programm IT-Security". "Wir müssen beim Problem schlechter Software ansetzen", führte der Hacker aus. Diese fange an Universitäten mit der Ausbildung an, wo "sicheres Programmieren" mit in den Lehrplan sollte. Darauf basierende Produkte "müssen wir dann schnellstmöglich in die Industrie bringen".

Um die "freiwilligen" CCC-Sicherheitstester bei einer "großen IT-Krisenlage" besser einzuspannen, sei eine Krisennummer nötig, unter der sie angerufen werden können, erwiderte de Maizière halbernst. Rieger versicherte, dass die Hacker derzeit schon dabei seien "Internet in Flüchtlingsheime" zu bringen: "Wir riechen die Felder, wo etwas getan werden muss."

Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur für digitale Medien der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, warnte davor, die Pariser Anschläge zu missbrauchen, um etwa sichere Verschlüsselung zu unterwandern: "Wir müssen aufpassen, dass wir uns langfristig nicht sehr schaden." Die Politik dürfe nichts unternehmen, was mehr Sicherheit verspreche, in Wirklichkeit aber mehr Unsicherheit schaffe. (anw)