IT-Markt unter Corona-Druck: Weniger Smartphones & PCs, mehr Server & Router

Der PC-Absatz im ersten Quartal sackte vor allem bei Apple ab; McKinsey prognostiziert fürs Gesamtjahr aber auch Wachstumsbereiche.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 16 Beiträge

(Bild: Shutterstock/selinofoto)

Von

Die Martkforscher von Gartner und IDC haben ihre Schätzungen zum PC-Absatz im ersten Quartal 2020 veröffentlicht und McKinsey eine Prognose für den gesamten Halbleitermarkt 2020. Die Coronavirus-Pandemie hat demnach die IT-Umsätze schon stark gemindert und wird sich weiter deutlich auswirken. Es gibt aber in einigen Bereichen auch Anzeichen für Aufschwung.

Sowohl Gartner (minus 12 Prozent) als auch IDC (–10%) melden einen starken Rückgang bei der Anzahl der weltweit verkauften Notebooks, Desktop-PCs und Workstations von Januar bis März 2020. Demnach trat ein, was zu befürchten war: Zuerst gab es Lieferschwierigkeiten, weil die Produktion in China stockte, sodass die Händler weniger verkaufen konnten als nachgefragt. Als dann die Pandemie die Industrieländer erreichte, brach dort wiederum die Nachfrage ein.

Dabei gibt es Ausnahmen: Während Firmen weniger Desktop-PCs und Notebooks bestellten, kauften viele der ins Homeoffice verbannten Mitarbeiter neue Hardware. Das zeigt sich auch bei den hierzulande ausverkauften oder extrem verteuerten Zubehörprodukten für Videokonferenzen wie Headsets oder Webcams. Die Nachfrage verlagerte sich also von gewerblich genutzten Bürocomputern und Business-Laptops etwa zu Gaming-Notebooks. Zudem kaufen sowohl Firmen als auch Privatleute mehr Router.

Laut IDC war Apple besonders stark von den Engpässen bei seinen chinesischen Zulieferern betroffen, die Anzahl der verkauften iMacs und MacBooks lag demnach im ersten Quartal 2020 um mehr als 20 Prozent niedriger als im Q1/2019. Da Apple auf dem heimischen US-Markt besonders stark ist, trug das dazu bei, dass dort der PC-Absatz so niedrig war wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Dell hingegen konnte seine Stückzahlen sogar um 1,1 Prozent steigern und die chinesische Firma Lenovo kam mit einem Rückgang um 4,3 Prozent glimpflich davon. Daher hielt sie auch ihre marktführende Position. Apple hingegen wurde von Acer vom vierten Platz verdrängt.

Laut IDC wurden im ersten Quartal 2020 rund 10 Prozent weniger Notebooks und PCs verkauft als im Q1/2019.

(Bild: IDC)

Gartner sieht das übrigens etwas anders: Hier liegt Apple weiterhin vor Acer und Asus auf Platz 4.

Während IDC und Gartner ein Vierteljahr zurückschauen, blickt McKinsey achteinhalb Monate in die Zukunft: Die Studie "Coronavirus: Implications for the semiconductor industry" schätzt die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die wichtigsten Märkte für Halbleiterbauelemente ein.

Was die Chips für Notebooks, Desktop-PCs, Workstations und Server betrifft, rechnet McKinsey mit 1 bis 7 Prozent Umsatzrückgang von 147 Milliarden im Jahr 2019 auf nun 136 bis 145 Milliarden US-Dollar. Im vergangenen Jahr war allerdings der Umsatz in diesem Bereich schon geschrumpft, weil die Preise für DRAM- und NAND-Flash-Speicherchips enorm fielen.

McKinsey erwartet jedenfalls, dass viele Firmen angesichts der finanziellen Engpässe Investitionen in PCs streichen oder verschieben, während Privatleute mehr neue Geräte kaufen.

Außerdem dürfte der Bedarf an Server-Hardware steigen, um die Heimarbeiter per Netzwerk und mit Videokonferenzen anzubinden. Auch im vergleichsweise kleinen Marktsegment der Netzwerktechnik für Ethernet, DSL und Rechenzentren erwartet McKinsey einen Aufschwung wegen des wachsenden Bedarfs an Video- und Datentransfers.

Die stärksten Nachfrage-Auswirkungen des Coronavirus auf den Halbleiter-Umsatz erwartet McKinsey bei den Smartphones: Hier sei die Nachfrage in der Vergangenheit eng an das Bruttoinlandsprodukt gekoppelt gewesen und wenn die Verbraucher weniger Geld haben, kaufen sie weniger oder billigere Handys. So gesehen kommt Apples neues iPhone SE gerade rechtzeitig.

McKinsey jedenfalls prophezeit einen Halbleiter-Umsatzrückgang bei Smartphones um bis zu 26 Prozent. Dazu trägt auch bei, dass Telekom-Dienstleister weniger Geld in neue 5G-Netzwerktechnik investieren dürften. Damit könnte sich der Aufbau der 5G-Netze verzögern, was wiederum die Nachfrage nach 5G-Smartphones dämpft.

McKinsey & Company erwartet bis zu 15 Prozent Umsatzrückgang im Halbleitermarkt

(Bild: McKinsey & Company)

Düster sieht es auch in den Halbleiter-Marktsegmenten der Fahrzeugelektronik (Automotive: Minus 10 bis 27 Prozent), Industrie und Medizintechnik (– 1 bis 11 %) sowie Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte (– 2 bis 12 %) aus. Insgesamt erwarten die McKinsey-Experten, dass der Halbleitermarkt 2020 um 5 bis 15 Prozent schrumpft.

Je nach Szenario könnte es auch erst ab 2022 wieder zu einer Erholung kommen. IDC immerhin sieht einen Silberstreif am PC-Horizont: Dort erwartet man, dass in Zukunft mehr Firmen auch ohne Pandemie auf Homeoffice setzen und ihre Mitarbeiter dafür besser ausstatten, also nach der Krise mehr Hardware kaufen. (ciw)