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IT-Projekt Herkules der Bundeswehr wird verschoben

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Das Bundesverteidigungsministerium hat die seit zwei Jahren andauernden Verhandlungen mit dem Firmenkonsortium Isic 21 um das IT-Projekt Herkules ergebnislos abgebrochen. Das Ministerium konnte sich mit der Wirtschaft auf kein Kostenlimit einigen.

Die Ausschreibung für das Projekt sah vor, alle Bundeswehrstandorte für die Fixsumme von 6,65 Milliarden Euro im Laufe der nächsten zehn Jahre mit neuer Informations- und Telekommunikationstechnik auszustatten und die Infrastruktur zu betreiben. Hierfür wollen Ministerium und Konsortium eine eigene Gemeinschaftsfirma gründen, an der das Konsortium mit 50,1 und das Ministerium mit 49,9 Prozent beteiligt sein sollte. Dem Isic-21-Konsortium gehörten neben dem Rüstungskonzern EADS das Systemhaus CSC Ploenzke und der Telekommunikationsanbieter Mobilcom an.

Das Projektbudget war um mehrere hundert Millionen Euro zu knapp bemessen, wie der Rüstungs- und Raumfahrtkonzern EADS mitteilte. Das Projekt sei für das Unternehmen deshalb nicht wirtschaftlich gewesen. Auch die Mobilcom AG erklärte, dass der zu erwartende Erlös in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Risiken gestanden habe.

Das Verteidigungsministerium will nun Gespräche mit dem Konkurrenzkonsortium TIS um T-Systems, IBM Deutschland und Siemens Business Services (SBS) führen. Die Bundeswehr könne mit den bisherigen Systemen problemlos weiter arbeiten. Siemens teilte bereits mit, man sei für neue Verhandlungen bereit. Die SPD-Abgeordnete Elke Leonhard sagte der dpa, sie erwarte bis Oktober eine Entscheidung, ob der Zuschlag erteilt werde. Die Regierung schätzt, dass mit einem Abschluss des Vertrags nicht mehr in diesem Jahr zu rechnen ist.

Jürgen Koppelin, Berichterstatter der FDP für den Verteidigungsetat, kritisierte: "Die IT-Ausstattung der Bundeswehr bleibt in einem Hightech-Land weiter drittklassig und der Abstand zu den europäischen NATO-Partnerländern vergrößert sich." Die Planungen für das Projekt seien "dilettantisch, unkoordiniert und vom Planungschaos gekennzeichnet". Der CDU-Haushaltsexperte Dietrich Austermann verlangt eine Verkleinerung des Projekts. (Christiane Schulzki-Haddouti) / (jk)

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