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IT-Sicherheit ist gar nicht so uncool

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Ob Viren, Trojaner oder Hacker-Attacken - das Internet birgt etliche Gefahren. Gelegenheitssurfer können ebenso Opfer werden, wie ambitionierte Online-Shopper oder eBay-Nutzer. Wie ernst die Bedrohungen genommen werden, hängt unter anderem von den PC-Vorkenntnissen ab. Es ist aber wohl auch eine Generationenfrage, wie neue Studienergebnisse nahelegen.

Einer repräsentativen Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest aus Frankfurt/Main zufolge gehen Jugendliche sensibler mit Bedrohungen aus dem Internet um als ihre Eltern. 97 Prozent der befragten Jugendlichen mit eigenem PC messen der Sicherheit eine wichtige Rolle zu und verhalten sich entsprechend. Auf Rechnern, bei denen zu Hause die Eltern die Kontrolle haben, gibt es dagegen sehr viel häufiger gravierende Sicherheitsmängel.

So gaben zwar 88 Prozent der erwachsenen Nutzer an, eine Firewall zu kennen – nur gut die Hälfte benutzt sie aber auch auf ihrem PC. Ähnlich hoch ist die Diskrepanz bei Anti-Virensoftware: 96 Prozent gaben an, sie zu kennen, aber nur bei 77 Prozent der Benutzer ist sie tatsächlich installiert. Auf den Rechnern der Jugendlichen läuft dagegen in 71 Prozent der Fälle eine Firewall und in 84 Prozent der Fälle eine Anti-Virensoftware.

Die Ergebnisse stünden im Gegensatz zu den Hypothesen vor der Untersuchung, sagt Antje Weber, Sprecherin des Virensoftware-Spezialisten Symantec in Ratingen, der die Umfrage in Auftrag gegeben hatte. So sei man davon ausgegangen, dass Jugendliche das Thema IT-Sicherheit eher für "uncool" halten. Tatsächlich fanden sich aber kaum Befragte, die Internet-Sicherheitsmaßnahmen als übertrieben empfinden.

"Die Ergebnisse der Studie decken sich mit den Erfahrungen des BSI", sagt Matthias Gärtner, Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. "Allgemein sind die Jugendlichen im Umgang mit der IT-Technik besser geübt." Das beginne mit der Handy- und SMS-Nutzung, setze sich beim PC fort und beziehe sich auch auf die Sicherheit.

Auch der IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer aus Karlsruhe sieht gerade bei älteren Internetnutzern oft eine gefährliche Sorglosigkeit: "Die Leute haben das Gefühl, der Computer war teuer, also muss das funktionieren." Häufig werde das System nicht für die eigenen Ansprüche konfiguriert. Auch Software- und Sicherheits-Updates unterblieben.

Einen Grund für die Nachlässigkeit sieht Fischer in der abstrakten Materie: "Ältere Nutzer können sich nicht richtig vorstellen, was ein Virus ist." Und die Risiken beim Surfen werden unterschätzt: "Viele sagen sich: Das, was ich im Internet mache, ist schon nicht so gefährlich." Jugendliche beurteilen das Gefährdungspotenzial ihrer Internetaktivitäten realistischer, wie aus der Studie hervorgeht. Gerade Aktivitäten mit hohem Gefährdungspotenzial wie das Herunterladen von Film- und Musikdateien wird von ihnen im Vergleich zu Eltern häufiger als gefährlich eingeschätzt.

Um den Kenntnisrückstand wettzumachen, empfiehlt der IT-Experte älteren Internetnutzern, sich über die Gefahren und Schutzmaßnahmen zu informieren - und zwar bevor sie online gehen. Außerdem komme es darauf an, Betriebssystem und Schutzsoftware auf dem aktuellen Stand zu halten. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die er täglich macht, ist Fischer aber skeptisch, ob diese Ratschläge fruchten - schließlich seien Schutzvorkehrungen grundsätzlich freiwillig: "Man kann die Leute nicht dazu zwingen." (Felix Rehwald/dpa) (bb)