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IT-Sicherheitsindex: Deutschland verunsichert im Internet

Der Index "Deutschland sicher im Netz" hat sich erneut verschlechtert. Die Kluft zwischen "souveränen Nutzern" und "Fatalisten" sowie "Außenstehenden" wächst.

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IT-Sicherheitsindex: Deutschland verunsichert im Internet

(Bild: Aleksey Boyko/Shutterstock.com)

Die deutschen Verbraucher fühlen sich im digitalen Raum nicht mehr so sicher wie noch im Vorjahr. Und das obwohl die Zahl erlebter Vorfälle wie Phishing-Versuche, eine Infizierung durch Schadsoftware inklusive Erpressungstrojaner, Betrug beim Online-Einkauf oder mit virtuellen Währungen oder Cybermobbing so gut wie nicht gestiegen ist. Dies geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Index 2018 hervor, den das Marktforschungsinstitut Kantar TNS für die öffentlich-private Partnerschaft "Deutschland sicher im Netz" (DsiN) erstellt hat. Der Gesamtwert ist demnach zum zweiten Mal in Folge gesunken, diesmal leicht von 61,1 auf 60,9 Punkte gegenüber 2017.

Mit dem Index versuchen die Forscher, auf Basis einer repräsentativen Befragung der deutschen Online-Nutzer ab 16 Jahren im Januar und Februar auf einer Skala zwischen 0 und 100 die subjektive Bedrohungslage mit dem Schutzniveau der Verbraucher zusammenbringen. Bei einem Wert unter 50 Punkten gilt Verunsicherung höher als das subjektive Sicherheitsgefühl.

Ausschlaggebend für den erneuten Rückgang ist ein gestiegenes Gefährdungsgefühl der Verbraucher. Dieses wird mit einem Wert von 29,3 Punkten wiedergegeben, während es im Vorjahr noch bei 27,1 lag. Der Index für Sicherheitsvorfälle ist zwar nur um 0,1 Punkte auf 41,8 nach oben gegangen, war aber seit Start der Untersuchung 2014 nie so hoch. Das Sicherheitswissen der Nutzer zeigt das vierte Jahr in Folge einen steigenden Trend und liegt in diesem Jahr bei dem bisher ebenfalls höchsten Wert von 87,2 Punkten gegenüber 86,4. Die Bereitschaft, Schutzmaßnahmen anzuwenden, ist kontinuierlich gestiegen und liegt 2018 mit 51,7 Punkten etwa höher als im Vorjahr. Dennoch klafft laut der Analyse eine "Lücke zwischen vorhandenem Schutzwissen und der Umsetzung".

Der Index

(Bild: DsiN)

Eine wachsende Kluft zeichnet sich auch zwischen den Verbrauchertypen ab, die die Analysten ausgemacht haben. Während die Gruppe der "souveränen Nutzer" mit Werten zwischen 68,5 und 71,7 Punkten inzwischen gut abschneidet, liegen über die Hälfte aller Onliner hierzulande deutlich darunter: "Fatalisten" landen mit 50,8 Punkten nur geringfügig über dem kritischen 50er-Schwellenwert. "Außenstehende" drohen mit nur noch 45,3 Punkten bei der IT-Sicherheit abgehängt zu werden, während sie voriges Jahr noch auf 49,4 Zähler kamen. Auch "Gutgläubige" gelten mit 57,6 Punkten nicht sonderlich gut geschützt.

Im Fünfjahresvergleich zeigen die Kennzahlen, dass der Bedarf nach digitaler Unterstützung in der Bevölkerung zunimmt. Derzeit benötigen mit 55 Prozent mehr als die Hälfte aller Onliner zusätzliche Hilfestellungen. Laut DsiN müssen daher die Menschen künftig verstärkt im Lebensalltag erreicht werden, also direkt in Familie, Vereinen, Schule und Beruf.

In den Fokus genommen haben die Forscher dieses Jahr auch Erfahrungen der Nutzer mit sozialen Netzwerken, wohlgemerkt vor den Enthüllungen im Datenskandal rund um Cambridge Analytica. Etwa die Hälfte der Deutschen empfindet demnach konkrete Vorteile durch Facebook & Co. Zugleich sorgen sich aber zwei Drittel der Verbraucher um die Sicherheit auf derlei Plattformen. Zwei Drittel gaben an, die individuellen Privatsphäre-Einstellungen zu verwenden. Sieben Prozent der Befragten waren demnach bereits Opfer von Mobbing, Belästigung und Rufschädigung im Internet.

(Stefan Krempl) / (mho)

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