Menü

IT-Sicherheitsindex: Die gutgläubigen Nutzer dominieren weiter

Der Index "Deutschland sicher im Netz" hat sich nach drei Jahren leicht verbessert. Das persönliche Unsicherheitsgefühl der Onliner fällt etwas geringer aus.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 40 Beiträge

(Bild: Pexels)

Von

Zumindest der Negativtrend ist gestoppt: Erstmals seit 2016 ist der Sicherheits-Gesamtindex etwas gestiegen, den das Marktforschungsinstitut Kantar für die öffentlich-private Partnerschaft "Deutschland sicher im Netz" (DsiN) seit 2014 jährlich berechnet. Der Wert liegt 2019 bei 62,3 Punkten und damit 1,4 Zähler höher als im Vorjahr. Das Niveau von 2016, als der Index mit 65,4 Punkten auf seinen bisherigen Höchststand kletterte, ist damit aber noch nicht wieder erreicht.

Mit dem Maßstab versuchen die Forscher auf Basis einer repräsentativen Befragung der deutschen Online-Nutzer ab 16 Jahren auf einer Skala zwischen 0 und 100 die subjektive Bedrohungslage mit dem tatsächlichen Schutzniveau der Verbraucher zusammenbringen. Bei einem Wert unter 50 Punkten gilt die Verunsicherung höher als das subjektive Sicherheitsgefühl.

Verantwortlich für das etwas bessere Ergebnis ist vor allem der gesunkene Wert für Sicherheitsvorfälle, die Verbraucher in diesem Jahr nach eigenen Angaben erlitten und mitbekommen haben. Er war zwischen 2016 und 2018 stark angestiegen auf 41,8 Punkte im vorigen Jahr und liegt nun bei 38,1. Zudem ist das persönliche Gefühl der Unsicherheit im Umgang mit digitalen Diensten 2019 schwächer ausgeprägt und liegt bei insgesamt 28,7 Indexpunkten, während es 2018 noch 29,3 waren.

Das Wissen rund um IT-Sicherheit der Nutzer stieg in den vergangenen zwölf Monaten wie in den Jahren zuvor weiter an, und zwar um 1,4 Punkte auf einen Höchstwert. Das Sicherheitsverhalten 2019 ist aber leicht rückläufig und liegt bei 51 Punkten. Damit ist die Diskrepanz zwischen Kennen und Nutzen von Schutzmaßnahmen abermals größer geworden. Immer mehr Anwender sehen sich scheinbar nicht mehr so sehr dazu gezwungen, aktiv etwas für ihre Online-Sicherheit zu tun.

Dazu passt, dass die Zahl der "Gutgläubigen" mit einem Plus von 3,3 Prozent merklich zugelegt hat. Diese Gruppe, die sich vergleichsweise einfach etwa mit Social Engineering oder Phishing-Attacken übers Ohr hauen lässt, stellt mit einem Anteil von 35,6 Prozent die größte unter den Bundesbürgern dar. Die Fraktion der "fatalistischen Nutzer" ist mit 15,7 Prozent auch noch recht groß, aber um 0,3 Prozent zurückgegangen. Die "Bedachtsamen" haben andererseits um 5,5 auf 20,5 Prozent zugelegt, die zu IT-Sicherheit "antreibenden Nutzer" sind noch die zweitgrößte Gruppe mit 22,2 Prozent.

Die Aussage "Solange mir nichts passiert, sehe ich keinen Grund, mein Sicherheitsverhalten zu ändern" bejahten mehr Befragte (+ 2,6 Prozentpunkte). Alle anderen Maßnahmen, mit denen die Motivation und das Sicherheitsverhalten positiv beeinflusst werden sollen, haben zugleich bis zu knapp sieben Prozentpunkte an Zustimmung verloren.

Prinzipiell häufig registrierten Sicherheitsvorfällen wie Phishing-Versuchen oder der Infizierung von Geräten wie Computer oder Smartphone mit Schadsoftware sind Onliner in den vergangenen 12 Monaten nach eigenen Angaben seltener zum Opfer gefallen. Zugleich nahmen eher selten registrierte Angriffe jedoch zu: Die Teilnehmer berichteten so etwas öfter als noch 2018 von Betrug mit virtuellen Währungen wie Bitcoin (+0,2) dem unbefugten Zugriff auf ein verlorenes oder gestohlenes mobiles Endgerät (+0,1) oder Manipulation im Smart Home etwa am vernetzten Fernseher (+0,7).

Besonders in den Blick genommen haben die Forscher dieses Jahr Erfahrungen der Nutzer mit individuellen Versicherungstarifen. Knapp ein Viertel der Befragten hat demnach bereits ein entsprechendes Angebot erhalten, bei dem digital erhobene Daten zu Lebensstil oder Verhalten berücksichtigt werden. 72 Prozent der Teilnehmer zeigten sich aber überzeugt, dass das Sammeln und Auswerten von Daten zu Versicherungszwecken zu erhöhten Risiken wie zum Beispiel Missbrauch, Manipulation oder Diebstahl der Informationen führen kann. 70 Prozent befürchten die Weitergabe solcher Messwerte etwa an andere Unternehmen oder den Staat.

Um die Verbraucheraufklärung zu verstärken, will der Verein im Herbst gemeinsam mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) ein Handbuch für Verhaltensstandards herausbringen. Diese "Cyberfibel" solle den wachsenden Bedarf nach "Orientierungshilfe für Multiplikatoren" decken, erklärte der DsiN-Vorsitzende Thomas Kremer am Montag bei der Ergebnispräsentation in Berlin. Dazukommen werde noch in diesem Monat ein Schulungsangebot "Politiker sicher im Netz" (PolisiN), um etwa Abgeordnete nach dem Massen-Doxxing rund um die Jahreswende im Umgang mit digitalen Medien zu trainieren. (mho)