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IT in der Schule: Sorgloser Umgang mit Schülerdaten

Sensible Daten von Schulkindern in den Vereinigten Staaten gelangen sehr häufig in die Hände von IT-Firmen, ohne dass die Eltern zustimmen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Electronic Frontier Foundation.

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IT in der Schule: Sorgloser Umgang mit Schülerdaten

(Bild: Electronic Frontier Foundation)

Die US-amerikanische Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hat eine Studie mit dem Titel "Spying on Students: School-Issued Devices and Student Privacy" (Auspionieren von Schülern: Schuleigene Geräte und die Privatsphäre von Schülern) veröffentlicht. Die Autoren stellen fest, dass aufgrund der Nutzung von Clouddiensten und Geräten wie Chromebooks viele persönliche Daten der Schüler an Hersteller von Hard- und Software übermittelt werden. Dies geschieht laut EFF häufig ohne Wissen der Eltern.

Die für die Studie (PDF) erhobenen Daten belegen, dass sowohl staatliche Gesetze wie auch Selbstverpflichtungen der Wirtschaft dem zunehmenden Technikeinsatz im Schulunterricht nicht ausreichend Rechnung tragen, so die Autoren. Während die Schulen großes Interesse daran hätten, verstärkt IT-Technik einzusetzen, seien die Schüler und ihre sensiblen Daten nicht ausreichend geschützt. Ein Drittel aller "K-12 students" - das sind Schüler von der Vorschule bis zum 12. Jahrgang - nutzten schuleigene Geräte, auf denen Software liefe, die weit mehr Informationen als notwendig sammelt und weitergibt. Die Bildungseinrichtungen erhalten diese Geräte häufig deutlich verbilligt oder sogar gratis, doch der Preis dafür ist laut Studie hoch: Schon Fünfjährige gäben bei der Nutzung reichlich persönliche Daten preis.

Die Autoren der Studie hatten ein Jahr lang landesweit Daten erhoben und ausgewertet. In ihren Bericht flossen Antworten von 1034 Teilnehmern ein, darunter Eltern, Schüler ab 14 Jahren, Lehrer und Mitarbeiter der Schulverwaltung. Schüler und ihre Eltern machten mit 83 Prozent den größten Teil der Befragten aus. Auch in 17 Ländern außerhalb der USA erhoben die Forscher Stichproben und betonen in ihrem Bericht, dass das Problem nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt, sondern global festzustellen sei.

Fünftklässler in einer US-amerikanischen Schule in Beekmantown lernen mit Chromebooks.

(Bild: Google )

Die Hälfte der Teilnehmer berichtete vom Unterrichtseinsatz von Chromebooks, gefolgt von iPads (32 Prozent) und Microsoft Surface Tablets (3 Prozent). Bei der eingesetzten Software war Googles "G Suite for Education" mit 63 Prozent die meistgenannte Plattform.

45 Prozent der Befragten teilten mit, dass Schule oder Schulbehörde keine schriftliche Information zur eingesetzten Hard- und Software herausgaben, weitere 31 Prozent waren sich nicht sicher, ob sie eine solche Information erhalten hatten. 32 Prozent berichteten, dass ihre Schule keine "opt-out"-Möglichkeit anbietet, also keine Alternative für Eltern und ihre Kinder, die Unterricht ohne IT-Einsatz und Cloud-Nutzung wünschen; 37 Prozent waren unsicher, ob eine solche Alternative für sie besteht.

"Wir bekamen keine Informationen darüber, dass unser Erstklässler in diesem Jahr ein Gerät - ein Tablet - bekam. Als wir Fragen stellten, erhielten wir überall nur sehr wenig Antworten." Ein befragter Schüler sagte, die Einführung von Google-Konten für alle Schüler habe "plötzlich und ohne Ankündigung" stattgefunden. Ähnlich erging es Lehrern, die an der Studie teilnahmen. Einer berichtete den Forschern: "Detaillierte Informationen von Schulmitarbeitern und Schülern - das heißt: Name, E-Mail und Anschriften - wurden an Google weitergegeben um individuelle Konten zu erstellen, ohne dass die Mitarbeiter vorher um ihre Zustimmung gebeten worden wären. Ich bin nicht sicher, ob die Eltern zugestimmt haben."

Die EFF-Forscher halten ihre Erkenntnisse insgesamt für besorgniserregend. "Unser Bericht zeigt, dass die Überwachungskultur schon in der Grundschule beginnt, was dazu führen kann, dass die nächste Generation eine digitale Welt als normal ansieht, in der Anwender ihre Daten ohne Nachfrage im Tausch für Gratisdienste herausgeben - eine Welt, in der weniger Privatsphäre nicht nur der Standard ist, sondern in der Natur der Sache liegt", kommentiert die EFF-Forscherin Gennie Gebhart die Studienergebnisse. (dwi)

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