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ITU fordert "digitalen Marshallplan"

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Die International Telecommunication Union (ITU) diskutiert einen "digitalen Marshallplan" als Antwort auf die Wirtschafts- und Finanzkrise. ITU-Generalsekretär Hamadoun Touré sagte beim 4. World Telecom Policy Forum (WPTF) in Lissabon, es müsse ein "massives Programm" sein. Er hoffe, bereits bei der Telecom World im Herbst in Genf einen konkreten Entwurf präsentieren zu können und sei mit verschiedenen ITU-Mitgliedsstaaten im Gespräch. Eine konkreten Vorschlag lieferte WTPF-Gastgeber Portugal. Das EU-Mitglied schlägt vor, Kinder ab vier Jahren mit Laptops auszustatten, und das in möglichst vielen Ländern. Der von den USA 1948 beschlossene Marshallplan sollte nach dem Zweiten Weltkrieg Westeuropa durch Finanzhilfen und Warenlieferungen beim Wiederaufbau helfen.

Um eine Möglichkeit der modernen Hilfe zu zeigen, hatten die portugiesischen Gastgeber die Arbeitsplätze der WTPF-Delegierten mit rund 1000 Classmate PCs ausgestattet. Portugal hat im vergangenen Herbst damit begonnen, 500.000 Schulkinder im Land im Rahmen der Initiative Magalhaes (Magellan) mit den Geräten auszustatten. Eltern zahlen dafür einen gestaffelten Preis zwischen 0 und 50 Euro. Die Kosten für den Aufpreis übernehmen Regierung und Telekommunikationsprovider, die sich davon eine bessere Ausnutzung ihrer Breitbandangebote erhoffen. Der Ladenpreis für Magellan liegt bei rund 350 Euro. Eine Million Stück hat man gerade nach Venezuela verkauft, sagen die Produzenten.

Innerhalb der ITU würden aber auch andere Ideen diskutiert, sagte Alexander Ntoko von der ITU. Die Schülerlaptops seien ein mögliches Projekt. Peter Voß, Leiter des Referats Internationale IKT-Politik beim Bundeswirtschaftsministerium nannte den "digitalen Marshallplan" und die Laptop-Initiative eine "gute Idee", hinter die allerdings "finanzielle Fragezeichen" zu setzen seien. Die ITU weist darauf hin, dass sie selbst keine zusätzlichen Mittel brauche. Sie verstehe sich selbst mehr als "Katalysator für den Marshallplan", sagte Touré.

Die Telekommunikationsministerin von Gabun, Laure Olga Gondjout, beurteilte den Plan allerdings eher zurückhaltend. Gegenüber heise online sagte sie: "Afrikanische Länder brauchen Programme, die an ihre Bedürfnisse angepaßt sind. Wir brauchen Energie, wie wollen wir die Laptops sonst betreiben. Wir brauchen Internetanbindung im ganzen Land. Ansonsten wird die digitale Kluft immer größer." (Monika Ermert) / (anw)