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ITU positioniert sich in Netzverwaltungsfragen

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Die Mitgliedsländer der Internationalen Telekommunikationsunion (ITU) haben sich beim World Telecom Standardization Assembly in Florianopolis darauf geeinigt, Entwicklungsländer mehr zu unterstützen und die Geschlechterfrage mehr zu beachten. An erster Stelle der Zusammenfassung der Entscheidungen stellte die 1865 für den klassischen Telefoniebereich gegründete Organisation allerdings mehrere Entscheidungen rund um das Thema Internet. Die ITU positioniert sich vor dem zweiten Weltgipfel der Informationsgesellschaft für die nächste Runde in der Debatte, wer im Cyberspace regiert.

Zu den Internet-Themen, um die sich die ITU verstärkt kümmern will, gehören Spam, Verwaltung von Namens- und Nummernressourcen, ENUM, Länderdomains und der Bereich internationale Domains. Beim Thema Telefoniedomains (ENUM) will man so etwa prüfen, wie "die ITU die administrative Kontrolle über Änderungen über internationale Telekommunikationsressourcen erlangen könnte, die für ENUM gebraucht werden". Gemeint sein dürfte damit die tatsächliche Kontrolle über die ENUM-Zone, die derzeit unter der Ägide des Internet Architecture Board (IAB) unter e164.arpa läuft. Schon seit längerem sind einige Mitgliedsländer unzufrieden mit der ihrer Ansicht nach US-lastigen Verankerung der ENUM-Zone.

Nicht nur das ENUM-Beispiel, auch die Betonung der Rolle der ITU bei der Namens- und Nummernverwaltung und beim Routing in den sogenannten Next Generation Networks legt nahe, dass die ITU ihre für Telekommunikatonsnetze bestehenden Kompetenzen auf IP-Netze ausdehnen möchte. Deutlicher als der Bericht aus Florianopolis ist in diesem Zusammenhang ein erstes Positionspapier von ITU-T-Chef Houlin Zhao (zuständig für Telecom Standardization) zum Thema globale Netzverwaltung, das heise online vorliegt. Zhao schlägt darin unter anderem vor, als Konsequenz aus der unausgewogenen Verteilung von IPv4-Adressen in der Vergangenheit ganze IPv6-Adressblöcke direkt und kostenlos an Länder zur eigenen Vergabe zu vergeben.

"Durch die Vergabe von Adressen an Länder ermöglichen wir jedem einzelnen Nutzer seine bevorzugte Quelle für Adressen zu wählen: es wird national vergebene und regional vergebene geben." Damit werde es einen "Wettbewerb" mit den RIRs geben, so Zhao, eine gute Sache für die Nutzer und im übrigen wären "hoheitliche Fragen in Verbindung mit der Registrierung" abgesichert. Den regionalen Internet-Registries, darunter dem RIPE, dürfte ein solcher Vorschlag kaum gefallen, von technischen Schwierigkeiten bei der Gestaltung der Routing-Tabellen abgesehen.

Noch deutlicher fordert Zhao die staatliche Hoheit im Bereich der Länderdomains, der ccTLDs. Diese sollte ganz klar in den Händen einer nationalen Behörde liegen, selbst wenn Betrieb und Management nicht in staatlichen, sondern auch in privatwirtschaftlichen Händen liegen könne. Die autoritative Liste der Delegationen, die klassische IANA-Liste, könnte die ITU übernehmen, zumindest für die Länder, die diese Liste gerne in ITU-Händen sähen, schreibt Zhao. Der Abschlussbericht aus Florianopolis liest sich an dieser Stelle deutlich zurückhaltender, dort ist zunächst einmal von einem Bericht die Rede, den eine Arbeitsgruppe zum Thema erstellen soll.

Bemerkenswert ist, dass Zhao zwar nicht die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) in Frage stellt, sehr wohl aber ein großes Fragezeichen vor ihren Regierungsbeirat setzt. Den würde Zhao viel lieber unter dem Dach der ITU sehen; damit würde laut Zhao die Legitimation und Glaubwürdigkeit des Gremiums wachsen und es entstünden außerdem auch keine Kosten für die Mitgliedsländer. Für ICANN bliebe die viel beschworene technische Arbeit. Die Aufsichtsrolle über Namens- und Nummerierungsverwaltung aber wäre zur ITU gerückt. "Da Internet Governance sehr viele Themen umfasst und nicht auf technische Fragen beschränkt ist, wäre eine internationale Regierungsorganisation im UN-System der bevorzugte Ort, sich um diese Fragen zu kümmern." Von allen UN-Organisationen aber wäre, findet Zhao, die ITU am besten geeignet, die Aufgebe zu übernehmen. Dass der zweite Weltgipfel tatsächlich zu einem so radikalen Ergebnis kommt, ist allerdings fraglich. (Monika Ermert) / (anw)