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ITU will IP-Adressen verwalten

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Die International Telecommunication Union (ITU) ist einen Schritt näher an ihrem Ziel, selbst Registry für IPv6-Adressen zu werden. Auf dem Treffen des ITU Council, das am Dienstag in Genf begonnen hat, verabschiedeten Vertreter der Mitgliedsstaaten gegen Bedenken der USA und weiterer Länder eine Empfehlung, laut der die ITU ein Modell für nationale IPv6-Adressvergabestellen entwickeln soll. Darin solle die ITU als zentrale Koordinierungstelle der Country Internet Registries (CIR) auftreten.

Eine neue Arbeitsgruppe soll dabei auch den Aufbau einer eigenen regionalen Registry planen. Die ITU würde damit als sechste Regional Internet Registry (RIR) selbst IPv6-Adressen vergeben können. Die Organisation hatte zur Verdeutlichung der Vorzüge eines alternativen IP-Adressvergabemodells eine Studie beim malaysischen National IPv6 Center of Excellence in Auftrag gegeben. Darin wird der ITU bescheinigt, die Adressvergabe durch nationale Stellen werde die Bedürfnisse der Nutzer besser bedienen.

Die neue Arbeitsgruppe soll neben dem CIR/RIR-Modell außerdem eine globale Richtlinie zur Reservierung eines großen IPv6-Blocks für Entwicklungsländer entwerfen, die zur weiteren Verwaltung bei den fünf bestehenden RIRs verbleiben sollen. Begründet wird der Vorstoß – der nicht der erste in diese Richtung ist – damit, dass das aktuelle System der IP-Adressvergabe nicht fair sei. Entwicklungsländer seien benachteiligt und hätten deutlich weniger Adressen, weil sie später ins Internet eingestiegen sind.

Die USA, Kanada und Schweden zeigten sich wenig begeistert von der Idee. Sie halten das aktuelle System der IP-Adressvergabe für effektiv. Alle Regionen – auch Afrika, Asien und Lateinamerika – hätten eigene RIRs, sagt Richard Beaird, UN-Vertreter der USA in Genf. "Wir unterstützen das Modell der Selbstverwaltung durch die Internet Community", sagte auch der schwedische Vertreter. Die ITU solle sich auf die Förderung von IPv6 konzentrieren. Er habe allerdings Bedenken, wenn die ITU selbst als RIR auftreten wolle.

Um die Bestrebungen der ITU, ihr Mandat auszuweiten, geht es in Genf auch bei den Themen Cybercrime und Cybersecurity. Die ITU fährt in diesem Bereich seit 2007 ein umfangreiches Programm, das sie fortlaufend erweitert. Der Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums, Peter Voss, warnte die ITU vor zu viel Ambitionen. "Ich denke, wir sind uns hier alle einig über die herausragende Bedeutung der Aktivitäten der ITU für die Netzsicherheit", sagte Voss. "Ich habe aber meine Zweifel, wenn es um gesetzgeberische Maßnahmen geht."

Den Wünschen der ITU nach mehr Einfluss bei der Cybercrime-Gesetzgebung hält Voss die gültige Konvention des Europarates entgegen. ITU-Generalsekretär Hamadoun Touré verlieh den ITU-Ambitionen allerdings mit einer scharfen Attacke auf den Europarat Nachdruck. Die Europäer seien zu beglückwünschen, dass sie bereits Gesetze hätten, sagte Touré. Die eben leider nur für Europa gedachte Konvention sei zudem nicht das beste Modell und bereits etwas angestaubt. Unterstützung erhält die ITU aus Russland, das für eine einzige Organisation zur Regulierung des Netzes und eine starke ITU eintritt.

(vbr)