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ITU will globales Abkommen für Cybersecurity vorantreiben

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Der Generalsekretär der Internationalen Fernmeldeunion (ITU), Dr. Hamadoun Touré, forderte gestern in Genf, die Weltgemeinschaft müsse endlich bei der Verabschiedung gemeinsamer Regeln für Sicherheit und Frieden in im Netz weiterkommen. Es werde „zu viel geredet“ und „zu wenig gehandelt“, sagte Touré beim World Summit of the Information Society (WSIS) Forum 2012. Die von der ITU seit mehreren Jahren beworbene Idee fand den Beifall zahlreicher afrikanischer und asiatischer Regierungsvertreter, die die ITU gerne in der federführenden Rolle für ein UN-Cybersecurity-Abkommen sähen.

Will der Weltgemeinschaft in Sachen Cybersecurity Beine machen: Dr. Hamadoun Touré, Generalsekretär der ITU.

(Bild: ITU.int)

Neben der Harmonisierung nationaler Gesetze ziele er mit der Initiative insbesondere auf die Zusammenarbeit der Staaten bei der Verfolgung von Cyberkriminellen. Alle Staaten sollten sich verpflichten, (Cyber-)Terroristen „keinen sicheren Hafen“ zu bieten. Während die ITU sich seit mehreren Jahren im Bereich Aufklärung und Weiterbildung engagiert, etwa mit ihrem Projekt IMPACT, um ihrem Anspruch als Akteur im Bereich Cybersecurity Nachdruck zu verleihen, ist sie im Bereich gemeinsamer Mindeststandards oder gar eines Abkommens im Stil der Cybercrime-Convention des Europarates nicht wirklich vorangekommen. Ob ein geplantes Cybersecurity-Kapitel es tatsächlich in die zur Novellierung anstehenden International Telecommunication Regulations (ITR) schafft, ist derzeit offen.

„Wir stecken mitten in einem ideologischen Kampf um Freiheit (im Internet)“, sagte Touré. Darunter verstehe jeder etwas anderes. Mit Blick auf mehr Sicherheit im Netz sprächen anderersetis alle über die selben Probleme, ein echter Dialog komme aber dennoch nicht zustande. Big Brother-Vorwürfe gegenüber den Regierungen, die ein UN-Cybercrime-Abkommen bereits der UN-Generalversammlung als Vorschlag vorgelegt hätten, wies Touré zurück. China und Russland machen sich beim UN-Generalsekretär für einen „Internationalen Code of Conduct für Information Security“ stark.

Touré wies darauf hin, dass er mit seinem neuerlichen Aufruf eine Debatte provozieren wolle. Auch wenn es Jahre dauern werde, bis man ein umfängliches Abkommen haben werde, müsse man jetzt mit kleinen Schritten, etwa einem weltweiten Code zum Schutz von Kindern im Netz starten. Ein iranischer Regierungsvertreter nannte unter anderem auch Regeln zum Urheberrecht oder volksverhetzenden Inhalten als mögliche Aspekte für das Abkommen, beziehungsweise Zusatzprotokolle.

Jay Bavisi, Präsident der Organisation International Council of E-Commerce Consultants (EC-Council), warnte jedoch, sich auf Gesetze und Regeln zu verlassen. „Von denen haben wir schon recht viele, aber die Gefahren im Cyberspace haben deswegen nicht abgenommen“, sagte Bavisi. Er verwies auf das Missverhältnis, dass schon jüngere Schüler mit iPhone und Facebook-Konto ausgestattet seien, und dass das Thema Sicherheit im Netz dennoch auf keinem Lehrplan stehe.

Die Selbstverteidigungskräfte der nächsten Generation im Umgang mit Technik stehen daher im Zentrum der von EC-Council und US-Militär- und Sicherheitsdienstleister SAIC initiierten Cyberlimpics, bei denen nationale Teams „ihr Territorium“ gegen Hackerangriffe schützen müssen. Im vergangenen Jahr schlug ein Team der Niederlande dabei das US-Team und eine Mannschaft aus Ungarn. Ob die beim „Catch-the-Flag“-Wettbewerb erfolgreichen Hacker gleich von SAIC engagiert werden, verriet Bavisi nicht. (it)