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Icahn bringt Microsoft bei Yahoo wieder ins Spiel (Update)

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Für Yahoo ist Zeit der Unsicherheit nach der zunächst abgewehrten Übernahme durch Microsoft noch nicht ausgestanden. Offiziell war Microsoft zwar von seinen Übernahmeplänen abgerückt, doch sollte das Yahoo-CEO Jerry Yang nicht allzu ruhig schlafen lassen. Denn der berüchtigte US-Investor Carl Icahn sägt eifrig an Yangs ohnehin wackligem Stuhl. Auch in Redmond wird das genau beobachtet. Mit einer neuen Yahoo-Führung, bestätigte Microsoft am heutigen Montag offiziell entsprechende Äußerungen von Icahn, werde man auch wieder über eine Übernahme reden.

Ohnehin war es unwahrscheinlich, dass ein Mann wie Steve Ballmer ein "Nein" einfach akzeptiert und Yang seine Bahnen ziehen lässt. In der vergangenen Woche hatten US-Medien berichtet, dass sich Microsoft mit Icahn trifft. Der Investor will auf der Hauptversammlung Anfang August den Verwaltungsrat mit Vertrauten besetzen lassen und die Yahoo-Führung dann entmachten. In einem offenen Brief an die Aktionäre erklärte Icahn am heutigen Montag, auch mit Microsoft über eine gemeinsame Zukunft zu sprechen. Ballmer habe deutlich gemacht, schreibt Icahn, mit dem derzeitigen Management nicht verhandeln zu können. Yang bekäme also keine weitere Chance, die Verhandlungen "zu vermasseln".

Für Gespräche mit einem neuen Management zeigt sich Microsoft dagegen in alle Richtungen offen. Ohne frühzeitig über Zahlen reden zu wollen, spannt Redmond den Bogen vom Suchmaschinengeschäft bis zu einer Komplettübernahme. Garantien kann Microsoft nicht geben, signalisiert aber Bereitschaft für die sofortige Aufnahme von Verhandlungen, sobald Yahoos Aktionäre einen neuen Verwaltungsrat installiert haben. Zuvor hatte Yahoo an die Anleger geschrieben, das Microsoft-Angebot sei endgültig vom Tisch. Für Yang sieht das nicht gut aus, daran kann auch die mit Google geschlossene Kooperation nichts ändern.

Icahn lässt kein gutes Haar an den Management-Qualitäten des Yahoo-Gründers, der im Sommer 2007 den Chefsessel vom scheidenden Terry Semel übernommen hatte, an den Gründen für Semels Abgang aber in der Folge kaum etwas ändern konnte. Das bemängelt nun auch Icahn: Google, das sich einen großartigen Manager für das operative Geschäft geholt habe, ziehe Yahoo immer weiter davon, und das Unternehmen leide unter einem zunehmenden Exodus der Fachleute. Der Verwaltungsrat von Yahoo habe es versäumt, "einen talentierten und erfahrenen CEO zu holen und Jerry auf seinen alten Posten als 'Chief Yahoo!' zurückzuschicken".

Microsoft hatte erstmals Ende Januar eine Übernahme angeboten. Die Yahoo-Spitze lehnte das zunächst 44,6 Milliarden Dollar (28 Milliarden Euro) schwere Angebot aber mehrfach ab.

Update:

Inzwischen hat Yahoo auf Icahns Brief und Microsofts Standortbestimmung reagiert. Yahoo stehe bereit, neue Verhandlungen mit Microsoft zu führen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Bei Interesse solle Redmond ein konkretes Angebot vorlegen. Weiter heißt es, Icahn und Ballmer wollten offenbar gemeinsam einen Verkauf des Suchmaschinengeschäfts an Microsoft erzwingen – zu einem Preis, der dann zwischen Icahns Repräsentanten im Verwaltungsrat und Microsoft ausgehandelt werde. Nach Ansicht des Yahoo-Managements sei das nicht im Interesse der Anleger.

Siehe dazu auch:

(vbr)