Menü

Ich bin nur ein einfacher Journalist. Zum Tode von Martin Gardner.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 128 Beiträge

Im Alter von 95 Jahren ist am gestrigen Samstag der Wissenschaftsjournalist Martin Gardner nach kurzer Krankheit in Norman im US-Bundesstaat Oklahoma gestorben. Er schrieb für den Scientific American 25 Jahre lang eine Kolumne über Mathematik, die viele Menschen dazu inspirierte, eine Wissenschaftskarriere in Angriff zu nehmen. So bezeichnete der Informatiker Donald Knuth die "Mathekanone" Gardner als sein größtes Vorbild. Mit mehr als 60 Büchern über Mathematik, Zauberei und über den Scharlatanismus in der Wissenschaft gilt Gardner als der einflussreichste Wissenschaftsjournalist des 20. Jahrhunderts. Seit zehn Jahren wird seine Arbeit mit den Gatherings for Gardner gewürdigt.

Martin Gardner wurde am 21. Oktober 1914 als Sohn eines Geologen und einer Kindergärtnerin in Tulsa geboren. Der Vater arbeitete als erfolgreicher Ölsucher und so wuchs Gardner in einem wohlhabenden Haushalt auf. Nach einem Studium der Philosophie bei Rudolf Carnap arbeitete Gardner zunächst als freier Wissenschaftsjournalist für Esquire, wechselte aber nach seiner Heirat zum Kindermagazin Humpty Dumpty, wo er die Rätsel- und Bastelecke betreuen musste. Mit mathematischen Knobeleien für Kinder hatte Gardner solchen Erfolg, dass er 1956 das Angebot bekam, für den Scientific American eine Mathematik-Kolumne zu schreiben. Von 1957 bis 1981 vermittelte seine Kolumne vielen Lesern das Verständnis für mathematische Probleme. Unter Titeln wie "mathematischer Karneval", "mathematischer Zirkus" oder "mathematische Hexereien" erschienen diese Kolumnen in Deutschland als Bücher und bescherten Gardner eine treue Leserschaft, nicht zuletzt, weil der Wissenschaftsjournalist Heinz Haber fortlaufend Gardner in seinen Fernsehsendungen popularisierte. Für seine mathematischen Arbeiten erhielt Gardner zahlreiche Preise, etwa den Möbius Award für die beste Einführung in die Quantentheorie.

Neben seinen mathematischen Arbeiten beschäftigte sich der "philosophische Theist" mit ethischen Problemen wie der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Seine populären Aufsätze über das Game of Life des britischen Mathematikers John Horton Conway inspirierten den KI-Forscher Hans Moravec zu seinen transhumanistischen Thesen, dass Computer die Menschen ablösen können. Weitere Arbeiten von Martin Gardner befassten sich mit dem Scharlatanismus in der Wissenschaft. Als Pseudo-Wissenschaft bekämpfte Gardner unermüdlich "Auswüchse" wie die Homöopathie, die UFOlogie, die Lehren Rudolf Steiners oder die Scientologen.

Zu seinen letzten Veröffentlichungen zählt ein langes Gespräch, in dem Gardner sich seinem Bewunderer Don Albers erklärt: "Ich bin nur ein einfacher Journalist. Ich schreibe nur auf, was andere Leute auf dem Gebiet machen." (jow)

Anzeige
Anzeige