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Ich gehe nicht in Deckung – Kommentar zur Debatte um Sexismus in Videospielen

Die Beschimpfung von Anita Sarkeesian und anderen zeigt, dass viele nicht damit klarkommen, dass Games inzwischen als eine weitere Kunstform gesehen werden. Nun herrscht Angst vor diesem Wandel und dessen Folgen.

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Hass ist eine einfache Sache. Das kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich Hetzkampagnen verfolge. Dabei habe ich Unrecht. Hass gründet auf vielen Faktoren, allerdings ist Hass der leichteste Weg mit dem Gefühl von Zurücksetzung, Ungleichheit, Unterlegenheit und Angst klar zu kommen.

Wie mein Kollege Martin Holland schon schrieb, ist das, was Anita Sarkeesian tagtäglich macht, eigentlich eine Ehre für die Gamingbranche. Sie beschäftigt sich ernsthaft mit Games. Sie untersucht sie, sie übt Kritik und damit hilft sie auch, Spiele so zu verbessern, dass sich vielleicht auch diejenigen angesprochen fühlen, denen – man muss es so sagen – alte Rollenklischees einfach zu platt sind. Leute, die mehr Abwechslung, mehr Überraschungen erwarten.

Dass sie mit ihrer Arbeit Gaming adelt, wird aber nicht gesehen. Viel mehr scheint die Angst zu dominieren, dass, wenn diese Frau so weitermacht, es bald keine Spiele mehr gibt, in denen eine Frau erniedrigt, geschlagen oder als Sexobjekt behandelt werden kann. Keine Sorge. Das wird nicht passieren. Dafür sind wir alle zu liberal, zu pluralistisch eingestellt.

Es wird genug Frauen geben, die aufschreien, dass auch sie solche Spiele lieben. Und das sollte anerkannt werden. Es wird genug Männer geben, die sagen, dass sie sexistische Spiele blöd finden und sie sich dadurch in eine Ecke gedrängt fühlen, aus der sie sich mühsam hervor gearbeitet haben.

Ich bin nicht für Verbote. Aber ich bin für Aufklärung. Man muss über Seximus diskutieren dürfen, man soll ihn aufzeigen dürfen. Denn Sexismus ist nicht nur ein Problem, mit dem Frauen zu kämpfen haben, sondern auch eines für Männer.

Für die Gamingbranche kann man sich außerdem nur wünschen, dass weiterhin Kritik an ihr geübt wird. Denn erst, wenn nicht die immer gleichen Stereotype, die immer gleichen Quests zu erledigen sind, wird wieder ein bahnbrechendes Spiel vorgelegt, das einfach einen geilen Plot und nicht nur eine verbesserte Grafik hat.

Ein Teil meiner schönsten Kindheitserinnerungen besteht daraus, dass ich mit meinem Bruder und seinen Freunden gezockt habe. Wir haben geballert, gebaut und haben Rätsel gelöst. Wir konnten lebhaft über die Spiele diskutieren. Es war scheißegal, dass ich eine Frau bin.

Grand Theft Auto V

(Bild: Rockstar Games)

Wenn keine wirklichen Argumente in einer Diskussion mit einer Person, mit Mann oder Frau, mehr vorliegen, dann kann man geifern, laut werden und die sexistische Keule holen. Man kann Gewalt androhen. Das ist ein sehr einfacher Weg. Total einfach, weil man nicht weiter überlegen und anderen Sichtweisen so eben auch keinen Respekt zollen muss. Man macht die andere Sichtweise einfach kaputt. Ja, das ist ziemlich einfach.

Ich empfehle, wenn man eine bestimmte Sichtweise überhaupt nicht ertragen kann, eine einfache Handlung, die man auch in Chats anwenden kann:

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(Kristina Beer) / (mho)

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