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Ich wollte immer gesellschaftliche Probleme lösen - zum Tod von Stanford Ovshinsky

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Im Alter von 89 Jahren ist Stanford Ovshinsky, der Erfinder der NiMH-Akkus, an den Folgen eines Prostata-Krebs gestern gestorben. Der passionierte Erfinder und Klimaschützer wurde wegen seiner Bemühungen um den Klimaschutz von der Time 1999 zum Hero for the Planet gekürt. Er erhielt als Inhaber von mehr als 200 Patenten 1968 die Rudolf-Diesel-Medaille und war dieses Jahr für den European Inventor Award nominiert.

Stanford R. Ovshinsky

(Bild: Europäische Kommission)

Stanford R. Ovshinsky wurde als Sohn jüdischer Immigranten in Akron im US-Bundesstaat Ohio geboren. Seine Familie war in der Arbeiterbewegung aktiv und prägte den jungen Stanford in seiner kommunitaristischen Haltung. Nach dem Abbruch der Schulausbildung in der Großen Depression musste er als Mechaniker arbeiten und seine Familie unterstützen. Später absolvierte Ovshinsky eine Lehre als Werkzeugmacher und begann, Maschinen mit eigenen Erfindungen zu verbessern. Von 1941 bis 1951 entstanden so eine Reihe von Antrieben und Getrieben, die Ovshinsky an andere Firmen verkaufen konnte. Sein erstes Patent erhielt er für eine Drehbank-Technik, die es ermöglichte, zwei Artilleriegranaten gleichzeitig herzustellen.

Als Autodidakt begann er in den 50er Jahren sich mit den Kybernetik-Theorien von Norbert Wiener zu beschäftigen und verfolgte die Debatte um die Künstliche Intelligenz. Zusammen mit seinem Bruder gründete er die Firma General Automation und versuchte, Schaltkreise nach dem Vorbild von Nervenzellen herzustellen. Den Ovshinskys gelang es, einen Schaltkreis auf Basis dünner Filme aus Tantaloxid und Drähten aus Tantal herzustellen, die in einer elektrolytischen Umgebung als Relais funktionierten. Diese als Ovitron patentierte Technik wurde von der US-Armee eingekauft, aber als zu gefährlich eingestuft, da die Ovitrone in hermetisch gekapselten Behältern voller Schwefelsäure arbeiteten.

Ovshinsky beschäftigte sich in der Folge mit den Eigenschaften von Chalkogeniden und konnte ein Phasenspeicher-Verfahren entwickeln und patentieren, das später für optische Datenspeicher wie CD und WORM eine große Bedeutung hatte. Ovshinsky ließ sich das Verfahren unter dem Namen Ovonic patentieren und gründete die Firma Ovonyx zu ihrer kommerziellen Verwertung. Im Jahre 2000 besann sich Intel auf die Erfindung und begann, zusammen mit Ovonyx an der Entwicklung von Ovonic-Chips zu arbeiten. 2002 wurden die ersten funktionsfähigen Chips vorgestellt, die allerdings zunächst nicht in Serienproduktion gingen. Über die Kooperation mit STMicroelectronics gelangte Intels Ovonic-Technik zu
Numonyx, die später von Micron geschluckt wurden. Mit dem Ovonic Unified Memory (OUM) wird dank der Technik der Phasenübergangsspeicherung ein Ersatz für die heutige Flash-Speichertechnologie geschaffen. Neben Intel beschäftigt sich auch Samsung mit der Erfindung von Ovshinsky.

Seine berühmteste Erfindung war indes der NiMH-Akku: "Meine Erfindungen sollten immer etwas damit zu tun haben, die großen Probleme der Gesellschaft zu lösen. So habe ich mich hingesetzt und über diese Probleme nachgedacht. Ich dachte schon in den 50ern an den Klimaschutz und wollte diese stinkenden Busse durch Elektrobusse ersetzen, die mit einer Batterie arbeiten. 40 Prozent der Luftverschmutzung werden vom Verkehrssektor produziert, hier sollte man ansetzen. Ich arbeitete mit Wasserstoff-Technologien in allen Formen und allen nur denkbaren Kombination und untersuchte hier alle Möglichkeiten der Informations- und Energiespeicherung - Information ist kodierte Energie."

Zusammen mit seiner zweiten Frau Iris gründete Stanford Ovshinsky die Firma Ovonics, in der er schließlich in engen Kontakt mit führenden Wissenschaftlern wie Hellmut Fritzsche und angeheuerten Beratern wie David Turnball und Alfred Bienenstock an seinen Erfindungen feilte. 1982 gründete er die Ovonics Battery Company, die die NiMH-Akkus kommerzialisieren sollte. Die Technik, die in Elektroautos und Bussen zum Einsatz kommen sollte, wurde von General Motors aufgekauft und bei der Entwicklung eines Elektro-Autos genutzt, das jedoch bald eingestellt wurde.

Die in Japan vor allem von Toyota entwickelten hybriden Fahrzeuge wie der Toyota Prius sind ohne die Erfindungen von Ovshinsky nicht denkbar. Es gehört zu der Ironie der Patentgeschichte, dass der rege Erfinder den Einsatz seiner Patente in Japan nur für Klein-Akkus genehmigte und wegen der Verflechtung mit General Motors den automobilen Einsatz ausdrücklich untersagte. Erst nach langen juristischen Auseinandersetzungen konnte Toyota die von Ovshinsky gemachten Erfindungen einsetzen.

Etliche der von Ovshinsky patentierten Ideen finden sich auch in der in der Herstellung von Solarpanels, für deren Produktion der Erfinder 1982 zusammen mit der Firma American Natural Resources Company die Firma ECD Ovonics gründete, die heute zu BASF gehört. (mho)

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