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Icons für E-Mail-Privacy [Update]

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Mit sechs kleinen Icons könnten E-Mail-Absender künftig einem Adressaten mitteilen, wie er eine Zusendung zu behandeln hat. Eine Forschergruppe des Unabhängigen Zentrums für Datenschutz in Schleswig-Holstein (ULD) und der Universität Stanford schlägt dafür sechs maschinen-, aber auch für die Nutzer erkennbare Icons vor, die den Grad der Vertraulichkeit einer Nachricht angeben sollen. Ulrich König, Informatiker des ULD präsentierte die "Privicon"-Idee am Montag auf dem 78. Treffen der Internet Engineering Task Force (IETF) in Maastricht.

Schon heute verlassen sich Unternehmen und auch mancher private Nutzer nicht mehr auf die gute alte Netiquette, deren ungeschriebene Regeln besagten, dass eine private E-Mail nicht ohne Einwilligung des ursprünglichen Senders veröffentlicht, zitiert oder an Dritte weitergeleitet werden sollte. Daher befinden sich In immer mehr E-Mails lange Disclaimer. Statt individueller Disclaimer schlagen die Datenschützer den Einsatz von sechs "Privicons" vor: "geheim" [X], "nicht drucken" [/] , "nach dem Lesen löschen" [=], oder "nach x Tagen löschen" [=x], "Urheber nicht nennen" [-], "intern" [o] und "zur Weiterverbreitung" [>]. An das letzte Icon könne sich auch eine Creative Commons Lizenz anschließen, die mit ihren Icon-basierten Hinweisen zu den Rechten an Inhalten in gewisser Weise Pate für die Privicons gestanden hat.

Die Privicons sollen entweder in der ersten Zeile des E-Mail-Textes, in der Betreff-Zeile oder an einer festgelegten Stelle im Mailheader erscheinen. Die Entwicklung von Plugins könnte die Anwendung und auch das Auslesen der Privicons automatisieren. Vorstellbar sei etwa, dass ein Empfänger vor dem Druck automatisch erinnert werde, dass der Sender die E-Mail nicht gedruckt sehen wollte. Hart durchgesetzt werden sollen die Anforderungen des Absenders aber nicht. "Es ist mehr eine freundliche Bitte an den Empfänger", sagte Ulrich König auf die Frage, ob sein Amt einen Verstoß gegen seine eigenen E-Mail-Präferenzen verfolgen würde. Darum gehe es nicht, versicherte König.

Von den IETF-Teilnehmern gab es einigen Beifall für die Idee. Allerdings äußerten Experten sich skeptisch zur Durchschlagskraft. Seit zwei Jahrzehnten werde versucht, das schlichte Labelling dafür zu vereinheitlichen, was eine Antwort ist, leider ohne Erfolg, sagte Cisco-Ingenieur Patrik Fältström. Das Problem sei, Millionen Internetnutzer dazu zu bringen, dass sie die Icons nutzten. König sagte gegenüber heise online, außer an der Spezifikation werde auch an "running code" – also Implementierungen – gearbeitet. Unter anderem habe die Uni Stanford ein Projekt finanziert, das ein Plugin für Thunderbird entwickle. König sagte, es sei durchaus denkbar, die Privicons künftig auch für SMS oder Nachrichten in Social Networks einzusetzen.

[Update: Anders als ursprünglich berichtet ist Google nicht an dem Projekt beteiligt und hat auch keine Unterstützung in Goolgemail angekündigt. Die Aussage beruhte auf einem Missverständnis, da Google-Mitarbeiter in ihrer Freizeit an dem Projekt mitarbeiten.]

(Monika Ermert) / (je)

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