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Im Kino: Dieser Predator ist ein Upgrade

2018 kommt der außerirdische Großwildjäger wieder auf die Erde. Doch da hat sich einiges verändert, seit er es mit Arnie zu tun hatte.

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Im Kino: Dieser Predator ist ein Upgrade

(Bild: 20th Century Fox)

Don't hunt what you can't kill. Der Posterspruch, mit dem 1993 John Woos US-Debüt "Hard Target" (hierzulande sinnentstellt zu "Harte Ziele") beworben wurde, gilt natürlich auch für den Predator. Während bei Woos Menschenjagd Jean-Claude van Damme die designierte Trophäe ist, mit der sich die hetzende Meute übernimmt, bekam es der Predator bei seinem eindrucksvollen ersten Auftritt im mittelamerikanischen Dschungel mit Arnold Schwarzenegger zu tun. Auch das ging nicht gut aus – für den Jäger.

Der Predator ist ein hochentwickelter Außerirdischer, der ferne Welten bereist und dort auf die Jagd nach der gefährlichsten Spezies geht. Auf unserem hübschen kleinen Planeten sind wir das – Homo sapiens. Gleich zwei Mal haben es die Aliens versucht: Nach John McTiernans Dschungel-Klassiker von 1987 verlegte Stephen Hopkins die Handlung des trashigen, aber deshalb kaum weniger sehenswerten Sequels nach Los Angeles. In der von Gang-Gewalt beherrschten Metropole hat Danny Glover als hard boiled Großstadt-Cop die Menschheit würdig vertreten.

Das waren goldene Jahre für das US-Genrekino. Dank dem starken Videomarkt haben nicht nur die großen Studios Genrefilme mit eingeschränkter Jugendfreigabe produziert und trotzdem mit ordentlichen Budgets ausgestattet. Der Predator hat um die 16 Millionen US-Dollar gekostet, damals ein mittelgroßes Budget und viel Geld für einen Horrorfilm, aber ein Mehrfaches eingespielt. Dem zweiten, schon deutlich teureren Teil war weniger Erfolg an der Kinokasse vergönnt. Damit war das vielversprechende Franchise erstmal tot.

Als dann mit dem neuen Jahrtausend das Zeitalter der Comic-Verfilmungen anbrach, wurde auch der Predator wieder zum Leben erweckt. Schon 1990 war bei Dark Horse der erste Comic erschienen, der zwei Horror-Ikonen gegeneinander antreten ließ: "Aliens vs Predator". Doch dieses Crossover erwies sich im Kino nicht als besonders langlebig, nach zwei Filmen war das extraterrestrische Celebrity Deathmatch schon wieder beendet. 2010 gab es noch den mäßig erfolgreichen "Predators", dann war erst mal wieder Schluss mit den außerirdischen Großwildjägern.

Predator – Upgrade (14 Bilder)

Der Predator ist zurück...
(Bild: 20th Century Fox)

Doch lieben die Studios nichts so sehr wie ein Franchise. Es ist deshalb weniger überraschend, dass es Fox noch einmal mit dem Predator versucht. Bemerkenswert ist das Personal, das dieses Reboot stemmen sollte: Shane Black und Fred Dekker. Beide konnten ihre ersten Erfolge während der goldenen 80er verbuchen. Aus Blacks Feder stammt unter anderem das erfolgreiche "Lethal Weapon"-Franchise, zudem hatte er im Schwarzenegger-Predator eine Nebenrolle. Und Dekker ist der Kopf hinter dem Kult-Klassiker "Night of the Creeps".

Das ließ hoffen für "The Predator", wie das 2018er Reboot in der Originalfassung schlicht heißt. Das "Upgrade" hat der deutsche Verleih dazugedichtet. Denn wir lernen, dass der Predator nicht nur zum Spaß jagt. Er sammelt genetisches Material der höchstentwickelten Lebewesen verschiedener Welten, um seine eigene Spezies zu optimieren. Dabei ist eine Art Predator 2.0 entstanden, den es in einer ganz besonderen Mission auf die die Erde zurückführt.

Die Regierung weiß natürlich seit Jahren Bescheid. Als dann ein Exemplar der außerirdischen Jäger auf der Erde notlandet, nehmen sie es gefangen und bringen es in ein geheimes Labor. Das Militär zieht die Evolutionsbiologin Dr. Casey Bracket (Olivia Munn) hinzu. Der Predator ist sediert und fixiert, versichern die Regierungsschergen. Es kann gar nichts passieren. Es ist nicht zu viel verraten, dass sie für diesen Hochmut mit dem Leben bezahlen werden.

Bracket hat das Glück, dass draußen ein Gefangenentransport mit einer Gruppe durchgeknallter Ex-Elitesoldaten um den Ranger-Sniper Quinn McKenna (Boyd Holbrook) steht. Und so beginnt das Katz-und Maus-Spiel zwischen Mensch und Alien. Das Drehbuch von Black und Dekker lässt kein Klischee aus, versteht es aber zu gleich, die Geschichte nicht allzu ernst zu nehmen und immer wieder ironisch zu brechen. Die Autoren treiben ihre Story mit zahlreichen überraschenden Wendungen zügig voran. Mit einer Laufzeit von deutlich unter zwei Stunden ist dieser Predator eine kurzweilige und unterhaltsame Ablenkung.

Black und Dekker besinnen sich dabei auf alte Qualitäten, die man in den heruntergedummten Mega-Franchises dieser Zeit kaum noch findet. Show don't tell. Beispielhaft ist die Einführung von McKennas autistischem Sohn, die kaum Worte benötigt, um Rorys (Jacob Tremblay) einseitige Begabung vorzuführen. Bei allen Action-Klischees, die "The Predator" abklappert, bemühen sich die Autoren um eine glaubhafte Zeichnung der Figuren. Leider klappt das bei den Nebenfiguren besser als der männlichen Hauptrolle: McKenna bleibt blass, was auch an Boyd Holbrook liegt, dem die Ranger-Uniform eine Nummer zu groß ist.

"The Predator" lebt auch von Black und Dekkers zuweilen etwas rustikalem Jungs-Humor (wer "The Last Boy Scout" gesehen hat, kennt das). Doch im dritten Akt nimmt der Film dann eine Wende hin zu etwas ernsthafterer, aber auch konventionellerer Action-Ware. Wie man hört, waren die Reaktionen auf die ersten Testvorführungen in den USA ein Desaster. Black musste einen Großteil des dritten Akts neu drehen. Dieser Nachdreh war mit ein Grund, warum das Startdatum mehrfach verschoben werden musste. Ein anderer war die – überflüssige – nachträgliche Konversion in 3D.

Erwähnenswert ist auch, was der Zuschauer nicht sieht: Eine Szene mit Munn und einem Nebendarsteller. Munn hatte herausgefunden, dass der Schauspieler wegen sexueller Belästigung einer Minderjährigen vorbestraft war, und sich beim Studio beschwert. Fox ließ die Szene herausschneiden. Nachdem Munn das in der vergangenen Woche öffentlich gemacht hatte, kam es zu Spannungen im Team, das gerade auf Promotion-Tour war. Black übernahm die Verantwortung für die Besetzung und entschuldigte sich, der Schauspieler ist ein alter Freund von ihm.

Wenn so ein kleiner #metoo-Skandal in der Startwoche das Einspielergebnis schmälert, das zudem noch teure Nachdreharbeiten kompensieren muss, und es Spannungen im Team gibt, sind das schlechte Vorzeichen für eine mögliche Fortsetzung. Doch es wäre schade, wenn der Predator jetzt wieder in den Winterschlaf geschickt würde. Denn dieser Predator ist ein Upgrade.

Im Kino seit 13. September 2018.


The Predator. USA 2018. Regie: Shane Black. Drehbuch: Fred Dekker, Shane Black. Mit Olivia Munn, Boyd Holbrook, Trevante Rhodes, Jacob Tremblay, Keegan-Michael Key, Sterling K. Brown, Alfie Allen, Thomas Jane, Augusto Aguilera, Jake Busey und Yvonne Strahovski. 107 Min. (vbr)

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