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Technology Review

Implantate mit Strom aus Atomenergie

Wissenschaftler aus Russland wollen Herzschrittmacher & Co. mit kerntechnischen Akkus ausrüsten.

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(Bild: Photo by Denny Müller on Unsplash)

Herzschrittmacher müssen üblicherweise alle sechs bis zehn Jahre ausgewechselt werden, da ihre integrierte Batterie den Geist aufgibt – und die Geräte damit ihre Funktion einstellen. Die russischen Unternehmen Tvel und MCC, beide seit vielen Jahren im Atomenergiegeschäft tätig, wollen nun eine winzige Nuklearbatterie bauen, die bis zu 50 Jahre halten soll, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe ("Herzschrittmacher mit Kernenergie"). Damit entfielen die aufwendigen Operationen zur Entnahme und Neueinsetzung, denen sich Patienten derzeit noch unterziehen müssen.

Die Grundidee ist nicht neu. In Russland verwendete man noch bis in die 80er-Jahre Batterien in den Taktgebern, die hochgiftiges Plutonium-238 nutzten. Der neue Ansatz ist da deutlich harmloser: Er basiert auf dem hoch angereicherten radioaktiven Isotop Nickel-63, das auf eine Halbleiteroberfläche aufgebracht wird.

Beim Zerfall des Radionuklids wird Wärme frei, die sich wiederum mittels Thermogeneratoren in Strom umsetzen lässt, der dann den Schrittmacher antreibt. Die beim Prozess entstehende Betastrahlung ist für den Körper nicht gefährlich, denn sie lässt sich mit einer simplen Kunststoffeinfassung abschirmen. Problematische Gammastrahlung entsteht nach Angaben der Hersteller nicht.

Das Konsortium hat bei seiner bisherigen Arbeit einen Rekord-Anreicherungsgrad von 69 Prozent erreicht. Die Forscher wollen ihn noch auf 80 Prozent steigern. Neben medizinischen Implantaten lässt sich die Nuklearbatterie grundsätzlich auch in Telekommunikationsgeräten, Raumfahrttechnik oder militärischen Systemen nutzen. Mit einem Einbau in regulärer tragbarer Haushaltselektronik – Stichwort Smartphone – ist allerdings eher nicht zu rechnen. Das liegt schon allein an der Entsorgungsproblematik.

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(bsc)