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In Deutschland zensiert und mit Geolock: Strategiespiel Hearts of Iron IV erscheint

In dem Grand-Strategy-Titel greift man als Staatsmacht in den Zweiten Weltkrieg ein. Publisher Paradox hat allerdings viele deutsche Fans damit verärgert, dass diese beim Kauf in Deutschland per Steam an eine zensierte Version gebunden werden.

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Hearts of Iron IV

Die Generäle Montgomery, Rommel, MacArthur und Zhukov auf dem Cover des Spiels. Die Hakenkreuze an Rommels Uniform sind auch bei der internationalen Version retuschiert.

Am heutigen Montag jährt sich zum 72. Mal der D-Day, die Landung der US-amerikanischen Truppen in der Normandie – ein historischer Wendepunkt in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Kein gänzlich unpassender Tag also, um den vierten Teil des historischen Strategiespiels Hearts of Iron zu veröffentlichen.

Mit Hearts of Iron IV bringt Paradox Interactive – mit fast einem Jahr Verspätung – eine von vielen Grand-Strategy-Fans lange herbeigesehnte Fortsetzung der Serie heraus, in der man als Spieler die Kontrolle über eine der Mächte übernimmt, die den Zweiten Weltkrieg für sich entscheiden wollen.

Paradox-typisch kontrolliert man dabei keine einzelnen Einheiten, sondern ganze Kampfverbände und Armeen. So muss man sich dann auch nicht nur mit der Kriegsführung selbst, sondern auch mit Diplomatie, Waffenforschung und Friendenskonferenzen befassen. Die Entwickler haben allerdings in Deutschland schon jetzt viele Anhänger verärgert. Zum ersten Mal bindet der Publisher nämlich deutsche Spieler über Steam an eine eigene Version, die bestimmte historische Symbole und Portraits nicht enthält.

Egal wie man Hearts of Iron IV letztendlich kauft, das Spiel muss über Steam aktiviert werden. Wird es aus Deutschland gekauft – direkt bei Steam oder bei einem Händler – erhält der Käufer eine eigenständige deutsche Version. Im Unterschied zu den internationalen Versionen enthält diese kein spezielles, kostenloses DLC-Paket, welches Symbole und Portraits der deutschen Seite nachrüstet. Dabei handelt es sich um Bilder der deutschen Nazi-Führung und von einigen Wehrmachts-Generälen. Bei Portraits von SS-Soldaten wurden in der deutschen Version Totenkopf-Abzeichen entfernt. Zusätzlich wurden Sound-Dateien und Grafiken in bestimmten Events verändert. Bilder von Adolf Hitler wurden komplett entfernt.

Hearts of Iron IV (15 Bilder)

Hakenkreuze sind nicht betroffen, da auch die internationale Version von Hearts of Iron IV diese nicht enthält. Paradox hatte bereits als Patch für die 2002 erschienene Ur-Version des Spiels alle Hakenkreuze entfernt. Seit Hearts of Iron II kommt das Symbol in den Spielen der Serie gar nicht mehr vor. Die deutsche Seite verwendet seitdem die bis 1935 gebräuchliche schwarz-weiß-rote Nationalflagge aus dem Kaiserreich, beziehungsweise eine mit dem Eisernen Kreuz modifizierte Reichskriegsflagge. Auch die Portraits von bekannten Nazi-Persönlichkeiten wurden ab dem zweiten Spiel der Serie nur noch als schwarze Silhouetten dargestellt. Das ärgert viele Spieler, da Hearts of Iron sich eindeutig als historische Simulation verkauft – kaum ein anderes Strategiespiel bildet den Zweiten Weltkrieg in seiner Gesamtheit so realistisch nach.

Der schwedische Publisher Paradox begründet die Entscheidung damit, dass man sich an deutsche Gesetze halten wolle. Man respektiere die deutschen Intentionen hinter den entsprechenden Paragrafen, auch wenn die Umsetzung Mehrarbeit für die eigenen Entwickler bedeute. Man müsse die Maßnahme mit der dezidiert deutschen Steam-Version des Spiels nun zum ersten Mal durchführen, da die Gesetze bei den älteren Spielen nur die im Laden verkauften Kopien betroffen hätten, so der Community Manager der Firma. Diese Umsetzung habe keinen Einfluss auf den Multiplayer-Modus. Deutsche Spieler könnten nach wie vor frei mit Spielern aus anderen Ländern interagieren. Auch enthielte die deutsche Version alle anderen Sprachen, so dass man sie problemlos auf Englisch umstellen könne.

Die aktuelle Rechtslage bei der Verwendung verfassungsfeindliche Kennzeichen in Videospielen ist umstritten. Grundsätzlich ist nach Paragraf 86a StGB deren Verwendung verboten. Dies gilt allerdings unter anderem dann nicht, wenn die Nutzung "der Kunst oder ähnlichen Zwecken" dient. Ob darunter auch Computerspiele fallen, ist umstritten, wird aber inzwischen in der juristischen Diskussion bejaht. Allerdings hatte das OLG Frankfurt dies in einem Urteil aus dem Jahr 1998 für das Spiel Castle Wolfenstein 3D noch verneint.

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(fab)