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In Paris beginnt Schönheitswettbewerb um UMTS

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In Paris ist jetzt der Startschuss für die Bewerber um die vier UMTS-Lizenzen gefallen, die in Frankreich vergeben werden. Interessenten müssen in einer Art Schönheitswettbewerb – ohne Auktion – vor dem Staat antreten. Nach der Versteigerung beim deutschen Nachbarn kam zwar an der Seine Kritik an der Regierung auf, die mit ihrem "französischen Sonderweg" den Telekommunikations-Firmen Milliarden schenke. Doch die Regierung von Lionel Jospin verfolgt damit auch handfeste politische Ziele.

Im Juni hatten die drei interessierten französischen Konzerne France Telecom, Cegetel und Bouygues noch gemault, als die Regierung den Preis von jeweils 32,5 Milliarden Franc (9,7 Mrd DM) für die begehrten Lizenzen öffentlich gemacht hatte. Frankreichs drittgrößter Mobilfunk-Betreiber Bouygues zog sogar mit einer Beschwerde nach Brüssel, weil er in den "hohen Lizenzgebühren" verdeckte Hilfen für die größeren Akteure auf dem Feld der dritten Mobilfunkgeneration sieht. Nach den deutschen Erlösen von nahezu 100 Milliarden DM verzichteten die Betreiber aber auf jeden Kommentar.

Die Pariser Regierung dürfte indessen einige Gründe dafür haben, ihren Appetit im Unterschied zu London und Berlin zu zügeln, auch wenn Finanzminister Laurent Fabius gerne noch ein paar Milliarden mehr für die Rentenversicherung oder für Steuerentlastungen verfügbar gehabt hätte. Während Bürgerverbände nun daran herummäkeln, dass "die Regierung den Betreibern ein Geschenk von über 100 Milliarden Franc machen will", betont Industrie-Staatssekretär Christian Pierret die Vorteile des Schönheitswettbewerbs: "So können wir unsere Ziele besser erreichen." Ein Ziel ist die optimale UMTS-Abdeckung im Land.

Weit weist der Staatssekretär dabei die Mutmaßung zurück, der "französische Ausnahmeweg" bei der UMTS-Vergabe diene auch dem Schutz der einheimischen Bewerber vor der ausländischen Konkurrenz: "Noch nichts ist entschieden." Frankreich ist aber das einzige größere Land in Europa, in dem dieser Markt noch in der Hand von drei nationalen Betreibern ist. Alle Welt geht davon aus, dass France Telecom, Cegetel-Vivendi und Bouygues denn auch ihre Lizenzen erhalten werden. Bliebe noch die vierte UMTS-Lizenz. Sieben bis zehn Bewerber werden erwartet, darunter die Deutsche Telekom und Telecom Italia sowie Suez Lyonnaise und der kanadische TIW-Konzern.

Bis zum 31. Januar 2001 müssen alle Bewerber ihre Unterlagen für den Wettbewerb einreichen. Sechs Monate später sollen die vier Lizenzen für die Mobilfunk-Zukunft vergeben sein, so dass der Betrieb am 1. Januar 2002 aufgenommen werden könnte. Insgesamt 130 Milliarden Franc (38,8 Mrd DM) fließen dann in die Staatskasse – und dabei auch noch günstig verteilt auf 15 Jahre und ohne Inflationsaufschlag. Auch wenn Finanzminister Fabius jammern sollte, dass die deutsche Auktion das Zweieinhalbfache (für sechs Lizenzen) eingefahren hat, so gibt es keinen Weg zurück. "Darüber wird nicht nachgedacht", erklärt Staatssekretär Pierret. (Hanns-Jochen Kaffsack, dpa)/ (cp)