In Rekordzeit zur ISS

In knapp sechs Stunden haben drei Astronauten den Weg vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan zur Internationen Raumstation ISS zurückgelegt. Eine neue Technik machte es möglich.

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Pawel Winogradow, Alexander Missurkin und Chris Cassidy haben mit einer russischen Sojus-Kapsel einen neuen Rekord aufgestellt: In nur fünf Stunden und 46 Minuten legten die drei Astronauten den Weg vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur zur Internationalen Raumstation ISS zurück. Um 3:29 mitteleuropäischer Zeit dockte Flug TMA-08M erfolgreich am Poisk-Modul an, womit der fünfmonatige Aufenthalt der Männer beginnt.

Bisher dauerte der Flug zur Weltraumstation etwa zwei Tage. Die Verkürzung der Flugzeit ist durch das "fast rendezvous flight profile" möglich, bei der die Kapsel sich der Station in einem anderen Winkel nähert. So kann die Kapsel bereits bei ihrer vierten Erdumrundung die ISS anzielen. Allerdings erfordert dieser Kurs eine sehr präzise Steuerung: Das betrifft zum einen den Trennungsprozess von Trägerrakete und Kapsel und zum anderen auch die Schubstöße der Kapsel selbst. Realisierbar wird das unter anderem durch einen neuen digitalen Bordcomputer, der völlig autonom arbeitet, also auch dann die Flugbahnen korrigieren kann, wenn die Kapsel nicht in Funkreichweite der Bodenstation ist. Damit das ganze klappt, muss die Raumstation perfekt ausgerichtet sein und bereits sechs Monate vor dem Start der Kapsel mit kleinen Kurskorrekturen beginnen. Trotzdem bietet sich nur alle drei Tage die Chance für eine schnelle Annäherung. Kommt beim Start etwas dazwischen, bleibt immer noch das alte Anflugverfahren als Notlösung, dafür kommt die ISS einmal pro Tag in die richtige Position.

Der stark verkürzte Flug soll vor allem den Stresspegel für die Astronauten senken, denn die leiden gerade zu Beginn des Fluges unter Raumkrankheit und die Kapsel bietet gerade mal einen halben Kubikmeter freien Raum pro Person.

Ausprobiert hatten den neuen Anflug bereits die unbemannten russischen Transporter Progress M-16M (August 2012) und M-17M (Dezember 2012). Sollten nach einem weiteren bemannten Flug bei der Crew keine negativen Auswirkungen zu verzeichnen sein, könnte das von deutschen Medien auch als "kurze Schema" bezeichnete Flugprofil zum Standard werden.

Während ihrer Zeit auf der ISS stehen für die Astronauten fünf Ausstiege ins All und verschiedene Experimente auf dem Programm. Mit den Neuankömmlingen ist die Sollstärke der Crew von sechs Mann wieder erreicht, wobei Winogradow mit 59 der bislang älteste Russe im All ist.

Videos der Nasa zeigen Start, Andockmanöver und Ankunft der Crew auf der ISS.

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