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Indie-Musiker für Netzneutralität

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Künstler und Bands aus der "Future of Music Coalition" wie Wilco, Bright Eyes, They Might Be Giants, Aimee Mann oder DJ Spooky haben eine CD mit 16 Songs herausgebracht. Die Einnahmen aus dem Verkauf der CD sollen der Kampagne "Rock the Net" des Indie-Verbunds zugute kommen. Mit der Aktion wollen sich die Musiker für die Netzneutralität einsetzen. Die Erhaltung des Prinzips des offenen Internet sei nötig, da über die bestehende Infrastruktur die großen Labels und die kleinen Wohnzimmerkünstler auf einer technologischen Ebene nebeneinander stünden, schreiben die Kampagnenmacher in ihrem Blog. Großen Telcos und TV-Kabelanbietern wäre es aber am liebsten, Inhalteanbietern einschließlich Musikfirmen oder Songschreibern eine Gebühr für die schnelle Auslieferung ihres Content abzuknöpfen. Wer diese "Mautgebühr" nicht zahlen wolle oder könne, käme dann auf der ihm verbleibenden langsamen Spur nicht voran.

Das Internet funktioniert aber derzeit nur, weil es allen gehört, hält die Koalition dagegen: "Alle Künstler – große und kleine – konnten bisher das Web als mächtiges Werkzeug nutzen, um ihr Publikum anzusprechen. Das läuft ohne die Einschaltung von Gatekeepern und Mittelmännern." Wenn die Netzneutralität verloren ginge, verlören Musiker eine wichtige Verbindung und Fans die Wahlfreiheit. Daher setze sich die Kampagne mit ihren Gründungsmitgliedern Death Cab For Cutie, R.E.M., Pearl Jam, dem Kronos-Quartett und Ted Leo für die Beibehaltung und gesetzliche Verankerung des Prinzips des offenen Internet ein. Musiker und Labels lädt die Vereinigung ein, sich ihr anzuschließen; Fans sind aufgerufen, eine Petition für Netzneutralität an Mitglieder des US-Kongress zu unterzeichnen. Die Songs der Kompilation selbst lassen sich online auch im Streaming-Verfahren Probe hören.

Die Blogger von OpenLeft haben derweil herausgefunden, dass alle Anwärter der Demokraten für einen Senatorenposten mit mehr als 500.000 Dollar in der Wahlkampfkasse eine gesetzliche Verankerung der Netzneutralität unterstützen. Sie sprechen von einem "Meilenstein im Kampf für die Internetfreiheit". Auffallend sei, dass die Mehrzahl der Kandidaten bislang keine finanzielle Unterstützung von Telcos oder Kabelnetzbetreibern erhalten hätte. Die Sprecherin der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, nutzte die Gelegenheit, um die Gegner der Netzneutralität als schlechte Unternehmer abzutun. Sie versprach, sich weiterhin für ein offenes Internet einzusetzen.

Großen US-Breitbandanbietern und einigen europäischen Carriern geht es im Streit um die Netzneutralität darum, im Rahmen des Aufbaus ihrer Hochgeschwindigkeitsnetze Inhalteanbieter für die besonders schnelle oder auch nur zugesicherte Übertragung von Daten zur Kasse zu bitten. Sie wollen zudem Möglichkeiten zur unterschiedlichen Behandlung des Datenverkehrs in ihren Backbones erhalten, abhängig etwa von Quelle, Dienst und Bandbreitenverbrauch.

Die nach Regulierungsauflagen rufende Gegenseite, zu der Netzgrößen wie Amazon, Google, Microsoft oder Yahoo gehören, fürchtet dagegen, dass Telekommunikationsgiganten und Kabelanbieter das Internet in teure, mit Mautstationen abgesperrte Luxusbahnen und holprige Feldwege aufteilen. Durch ein solches Zwei-Klassen-Netz seien Wettbewerb und Innovation gefährdet. Bestätigt sehen sich die Inhalteanbieter etwa durch den Fall Comcast: der US-Kabelnetzbetreiber hatte den BitTorrent-Verkehr in seinem Netz gedrosselt und steht nun vor einer Rüge durch die Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC).

Zur Auseinandersetzung um die Netzneutralität siehe auch die Hintergrundinformationen und die Übersicht zur bisherigen Berichterstattung in dem Online-Artikel in c't – Hintergrund:

(Stefan Krempl) / (jk)