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Indie-Spiele: Entwickler heiß begehrt

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App-Stores, Steam, XBox One – anscheinend war es nie so einfach ein Spiel zu vertreiben. Während sich die Branchengrößen bei der Games Developer Conference in Köln versammelten, trafen sich im benachbarten Köln-Kalk viele unabhängige Spielentwickler erstmals zur neuen Konferenz unter dem Titel Respawn. Die Kernfrage, die alle beschäftigte: Wie kommen die Spiele zum Kunden?

In der Abenteuerhalle in Kalk standen die Branchengrößen fast Schlange, um die Entwickler für ihre Plattformen zu begeistern: Google und Microsoft warben jeweils für ihre Cloud-Dienste, die eine reibungslose Umsetzung der Spiele auf verschiedene Plattformen versprechen, die Deutsche Telekom war auf der Suche nach neuen Inhalten für ihre zur Gamescom neu gestaltete Spiele-Plattform Gamesload. Auch Rovio, bekannt durch den Dauer-Erfolg "Angry Birds" drängt ins Geschäft.

"Wir wollen das Disney dieses Jahrhunderts werden", meint Rovio-Manager Jussi Immonen - und sucht dafür engen Kontakt zu Indie-Entwicklern.

Auf der Respawn stellte Rovio-Manager Jussi Immonen das Programm Rovio Stars vor, mit dem sich das finnische Unternehmen als Publisher etablieren will. "Wir wollen das Disney dieses Jahrhunderts werden", sagte Immonen. Wenn ein Spieleentwickler sein Produkt bei Rovio unterbringe, könnten die Finnen zum Beispiel aus den Spielcharakteren eine eigene Animationsserie produzieren. Die Finnen bieten aber einen weitaus wichtigeren Vorteil an: Wer bei Rovio unter Vertrag ist, landet in dem konzerneigenen Werbesystem – das neue Spiel wird in allen anderen Erfolgstiteln der Finnen beworben. Auf diese Weise haben die Finnen bereits zwei Titel in die Top-Ten der App-Stores gebracht, im kommenden Jahr will Rovio maximal zehn fremde Titel verbreiten.

Wie die anderen Konzerne ist Rovio auf der Suche nach "IP" – Rechten (Intellectual Property) an neuen Figuren und Konzepten, die die heiß laufende Spielvermarktungsmaschinerie mit neuem Treibstoff versorgen. Der Markt ändert sich schnell, Bezahlspiele auf den mobilen Plattformen hätten in den vergangenen Monaten stark an Umsätzen verloren, erklärte Immonen: "Wir werden nur noch ausnahmsweise Premium Games veröffentlichen." Stattdessen setzt Rovio auf Free-to-Play-Spiele. Die Zielgruppe sind nicht mehr die "core gamer", die hohe Ansprüche haben und sich in Spielkonzepte vertiefen, sondern die "casual gamer", die aus einem Impuls kaufen und schnell wieder nach neuen Zerstreuungen suchen.

Um in dem Markt zu überleben, benötigen Spieleentwickler Professionalität. "Es ist wichtig zu verstehen, dass wir nicht in einer demokratischen Spiele-Welt leben", erinnerte Hendrik Lesser, Vorstandsmitglied im Bundesverband GAME. Mit Programmierung alleine könne man die eigenen Ideen nicht zum Kunden bringen: "Marketing ist nichts Böses, sondern etwas, das Euer Spiel bekannt macht." Obwohl die Marketing-Dienstleister in einer anderen Welt lebten, als die Entwickler, sei man aufeinander angewiesen. Wer sein erstes Spiel nur mit "Blut und Tränen und Red Bull" auf die Beine stelle, habe danach oft nichts vorzuweisen. Lesser warb dafür, dass sich Indy-Entwickler vor dem Einstieg Gedanken um Entscheidungsstrukturen machen und wesentliche Grundlagen wie die Einhaltung der Rechtekette von Anfang an beherzigen. (jk)