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Indien will Blackberry-Mails abfangen

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Indische Behörden üben Druck auf den kanadischen Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) aus. Laut einem Bericht der indischen The Economic Times fordert die Regierung Zugriff auf E-Mails, die zwischen indischen und anderen Blackberry-Nutzern ausgetauscht werden. Als Drohung steht ein Blackberry-Verbot im Raum.

Derzeit bieten vier indische Mobilfunk-Netzbetreiber Blackberry-Dienste für zusammen über 400.000 Kunden an. Einem Fünften, Tata, verweigerten indische Behörden jedoch die Betriebsgenehmigung. Als sich Tata beschwerte, wurden auch die etablierten Anbieter unter Druck gesetzt. Indische Sicherheitsdienste sollen derzeit nämlich nicht in der Lage sein, E-Mails mitzulesen, die von einem Blackberry-Account an einen anderen gesendet werden. Diese Nachrichten sind stark verschlüsselt und laufen über Server in Kanada. Der Zugriff auf die Informationen in Kanada mit entsprechender richterlicher Genehmigung ist den indischen Diensten zu aufwendig und langsam.

Sie fordern nun eine Speicherung der kompletten E-Mails in Indien für mindestens sechs Monate und eine Offenlegung der Chiffrierschlüssel. Dazu soll RIM seine Server entweder in das asiatische Land verlegen oder alle Mails von und zu indischen Blackberry-Kunden über spezielle Proxy-Server in Indien routen. Auf diese Weise soll RIM Berichten zufolge ähnlichen Forderungen aus China und Singapur nachgekommen sein.

"RIM ist in über 130 Ländern tätig und respektiert die regulatorischen Bedürfnisse der Regierungen. RIM kommentiert keine vertraulichen Regulierungsangelegenheiten oder Spekulationen darüber", lautet eine Stellungnahme von RIM India gegenüber heise online.

Laut Berichten sehen indische Internet-Provider-Lizenzen vor, dass die Anbieter Inhalte mit maximal 40 Bit verschlüsseln dürfen, was relativ leicht zu knacken ist. Stärkere Verschlüsselung darf nur dann eingesetzt werden, wenn die entsprechenden Schlüssel auf Aufforderung bei indischen Sicherheitsbehörden hinterlegt werden. (Daniel AJ Sokolov) / (vbr)