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Indien will inoffizielle Landkarten und Satellitenbilder verbieten

Die indische Regierung will es Anbietern von Landkarten in jeglicher Form vorschreiben, diese vorab genehmigen zu lassen. Damit soll die eigene geographische Weltsicht zementiert werden. Internetdienste könnten dadurch große Probleme bekommen.

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Indien will inoffizielle Landkarten und Satellitenbilder verbieten

Indiens Regierung will die Verbreitung von Kartenmaterial regulieren und dabei unter anderem Anbieter von Landkarten verpflichten, eine Lizenz einzuholen. Dazu hat die Regierung von Narendra Modi einen Gesetzesvorschlag vorgestellt, um die Anschaffung und Verbreitung der indischer Geodaten zu kontrollieren, berichtet die India Times. Gemeint ist demnach jedes Bild- oder Datenmaterial über den Subkontinent, das mit Luft- oder Weltraumunterstützung angefertigt wurde. Wer sich dem widersetzt – ob in Indien oder außerhalb – solle mit bis zu sieben Jahren Gefängnis und einer hohen Geldstrafe bestraft werden.

Die gestrichelten Linien sind Indiens Regierung ein Dorn im Auge.

Mit dem Gesetz soll offenbar vor allem durchgesetzt werden, dass auf Landkarten die Grenzen des Riesenstaats im Einklang mit der indischen Lesart abgebildet werden. Dabei geht es vor allem um die Konfliktregionen Kaschmir und Arunachal Pradesh, um die sich das Land mit Pakistan beziehungsweise China streitet. So triumphierte die India Times bereits, dass der Suchmaschinenanbieter Google bei seinem Kartendienst Maps nach Vorstellung des Gesetzes eingelenkt habe und nun die Grenzen so anzeige, wie Indien sie für richtig hält. Dabei zeigt Google Maps das nur in Indien so an, außerhalb des Subkontinents weisen gestrichelte Linien weiterhin auf den umstrittenen Status hin.

Der Gesetzesvorstoß hat in Indien bereits heftige Kritik von Internetaktivisten auf sich gezogen. Wie die Hindustan Times erklärt, befürchten die, dass Internetdienste, die Landkarten einbeziehen durch die Lizenzierungsanforderungen teurer oder langsamer werden könnten. Betroffen wären beispielsweise Taxidienste, Logistikanbieter oder Bestelldienste, etwa für Essen. Wenn alle Landkarten vorher geprüft werden müssen, könnte das sogar das Ende für alle Echtzeitkarten bedeuten, zitiert das Blatt einen Internetdienstleister. (mho)

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