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Indischer CD-Hersteller baut Werk in Thüringen (Update)

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Der indische CD-Hersteller Moser Baer India Ltd. will für 100 Millionen Euro auf dem Gelände des Güterverkehrszentrums Erfurt östlich der Landeshauptstadt sein europäisches Produktionswerk für CDs und DVDs errichten. Mit dem Bau werde im kommenden August begonnen, teilten das Unternehmen und Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) in Erfurt mit. Damit sollen 260 Arbeitsplätze entstehen, weitere 180 Stellen kämen bei Zulieferern hinzu. Die EU hatte für das Werk staatliche Beihilfen von 35,4 Millionen Euro genehmigt. Knapp 23 Millionen Euro stellten Bund und Land an Fördermitteln bereit, sagte Reinholz.

Voraussichtlich im April oder Juni nächsten Jahres soll die European Optic Media Technology GmbH als 100-prozentige Tochter von Moser Baer die Produktion von beschreibbaren CDs und DVDs aufnehmen. In dem Werk, das nach den Plänen im Dezember 2005 seine volle Kapazität von 200 bis 300 Millionen Discs pro Jahr erreicht haben soll, sind auch Forschungs- und Entwicklungsarbeiten geplant. Der Jahresumsatz soll bei 60 Millionen Euro liegen.

Für die Produktionsstätte seien mehrere Standorte unter anderem in Osteuropa, Großbritannien, Irland, Portugal und Spanien im Gespräch gewesen. "Diese Neuansiedlung zeigt einmal mehr, dass Thüringen ein international interessanter Investitionsstandort ist", sagte CDU-Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU). Das Hightech-Unternehmen passe sehr gut in die Thüringer Industrielandschaft. Wirtschaftsminister Reinholz sprach von einer Signalwirkung auch für andere potenzielle Investoren.

Moser Baer stellt nach eigenen Angaben mit rund 5000 Beschäftigten im Großraum von Neu Delhi optische Speichermedien wie Disketten, CDs und DVDs her, die in 86 Ländern verkauft werden. Mit einem Weltmarktanteil von rund 15 Prozent sei Moser Baer der drittgrößte Produzent von optischen Speichermedien. Die Jahresproduktion liege bei 2,2 Milliarden Discs.

Das Erfurter Werk ist neben der CDA Datenträger Albrechts GmbH mit 215 Beschäftigten die zweite CD-Fabrik in Thüringen. Das Werk in Suhl-Albrechts war von dem früheren bayerischen CD-Fabrikanten Reiner Pilz als erstes deutsch-deutsches Joint Venture Anfang der 90er Jahre errichtet worden. Pilz war im April dieses Jahres vom Landgericht Mühlhausen wegen Betrugs verurteilt worden.

PDS-Fraktionschef Bodo Ramelow sagte, Thüringen habe bereits ungute Erfahrungen mit der Gründung von CD-Werken in Wahlkampfzeiten gesammelt. "Wenn die CDU im Wahlkampf große Investitionen für CD-Fabriken bekannt gibt, sorgt dies für großes Misstrauen und begründete Skepsis. Vor allem auch deshalb, weil dieses Investment auf Fremdkapital basiert und mit Staatssubventionen gefördert wird." (jwe)