Menü

Indiskrete DOC-Datei macht Politik

Offenbar durch Veröffentlichung einer Word-Datei mit ungelöschten Überarbeitungsspuren wurde eine Selbstzensur der UNO-Ermittlung im Mordfall Rafik al Hariri publik. Detlev Mehlis, der deutsche Ermittlungsbeauftragte um den Mord am libanesischen Ex-Regierungschef, hatte seinen Bericht nach Besprechung mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan retuschiert, sodass einige syrische Persönlichkeiten, darunter der Schwager des Präsidenten Bashar Assad al Assad, nicht mehr namentlich erwähnt wurden. Peinlich nur, dass sowohl die UNO als auch danach eine ungenannte westliche Botschaft das überarbeitete Dokument mehr oder weniger ungeprüft als Word-Datei weitergeleitet hat. Der israelische Reporter Beni Avni deckte dann durch einfaches, per Menü aufrufbares Anzeigen der vorgenommenen Überarbeitungen auf, wen Mehlis, etwa im Absatz 96 des Dokuments, alles beim Namen genannt hatte -- nicht ohne zugleich darauf hinzuweisen, auch die angesehene Zeitung Washington Post habe von dem Vorfall gewusst, sei jedoch nicht auf die Details eingegangen. Damit dürfte deren Berichterstattung gut zu den Zielen des UNO-Generalsekretärs passen, der kurz zuvor erklärt hatte, er wolle keine Unruhe in Syrien stiften.

Die Blamage durch das intransparente alte Word-Dateiformat DOC war keine Premiere, aber womöglich der Fall mit dem bislang größten internationalen Effekt. Nur gut, dass mittlerweile nicht nur Microsofts aktuelles Word 2003, sondern auch der zunehmend verbreitete, unter anderem von OpenOffice unterstützte Standard OpenDocument Schutz vor derlei Peinlichkeiten bieten. (hps)

Anzeige
Anzeige