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Industrial Data Space: Fraunhofer entwickelt "sicheren Datenraum"

Politik, Industrie und Forschung arbeiten an einer technisch-juristischen Lösung, mit der die "Datensouveränität" gewahrt werden soll. Ein "Connector" dient als Relaisstation, durch die freigegebene Informationen fließen.

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Industrial Data Space: Fraunhofer entwickelt "sicheren Datenraum"

(Bild: fraunhofer.de)

Seit die Digitalbranche das sperrige Grundrecht der "informationellen Selbstbestimmung" in die flutschende "Datensouveränität" umdefiniert hat und die Bundesregierung mit seiner digitalen Agenda auf den Zug aufgesprungen ist, steht die Frage im Raum, wie personenbezogene Informationen überhaupt noch geschützt und gesichert werden sollen. 90 Prozent der mittelständischen Unternehmen stünden der Industrie 4.0 verhalten gegenüber aufgrund der Furcht, "dass Daten abfließen", meint Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. Diese Angst müsse eingegrenzt werden.

Wanka schwebt dabei vor, dass "die Daten beim Nutzer verbleiben sollen und nur mit Sicherheit weitergegeben werden können, wenn er einwilligt". Diese Idee habe die Politik nun seit fast zwei Jahren mit Vertretern aus Wirtschaft und Forschung weiterentwickelt. Herausgekommen sei das Projekt "Industrial Data Space", das Wanka am Mittwoch in Berlin gemeinsam mit dem Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft, Reimund Neugebauer, der Öffentlichkeit präsentierte.

Der von der Fraunhofer-Gesellschaft zusammen mit Anwendern aus der Wirtschaft entworfene "Industrial Data Space" soll eine eine Referenzarchitektur bilden. Hier werde bewusst auf einen zentralen Server verzichtet, "auf dem einer die Hand hat", erläuterte Neugebauer. Alle angeschlossenen Teilnehmer behielten die Hoheit über ihre Daten und gäben nur einzelne Mengen nach eigenem Gusto frei für Dritte. Ein "Connector" im Zentrum gewährleiste dabei als Relaisstation die Sicherheit. Auf diesem bauten dann Services von Dritten wie eine "Brokerlösung" oder ein App Store auf.

Die Verbindungssoftware soll so Unternehmen, Cloud-Plattformen und vernetzte Objekte miteinander verknüpfen und dabei sicherstellen, dass Daten nur unter definierten Bedingungen genutzt und verarbeitet werden dürfen. Gegebenenfalls können Informationen dabei etwa auch vor dem Versand anonymisiert werden. Otto, Leiter des Forschungsprojekts Industrial Data Space und des Fraunhofer-Innovationszentrums für Logistik und IT, sprach von einem "Hardware-Anker für das Internet der Dinge" mit einer einhergehenden Zertifizierung.

Ein Referenzmodell für das Werkzeug erprobt die Fraunhofer-Gesellschaft laut Otto derzeit mit der Industrie in konkreten Nutzungsfällen etwa in der Logistik. Diese erste softwareseitige Fassung solle dann weiterentwickelt werden.

Der Anfang 2016 ins Leben gerufene Verein Industrial Data Space umfasst mittlerweile 40 Mitglieder. Abgesandte der Auto-, Chemie-, Pharma-, Energie- oder Versicherungswirtschaft säßen genauso mit am Tisch wie Anbieter wie Bosch, Deutsche Telekom oder Siemens, erläuterte Neugebauer. Selbst Anfragen aus China gebe es schon, sie würden aber noch vorsichtig behandelt. (anw)

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