Industrielegende: Vor 25 Jahren Aus für Robotron-Computer

Das Ende kam schnell: Ein Jahr nach der Wiedervereinigung wurde die Produktion von Robotron-Computern gestoppt. Fast 10.000 Menschen verloren ihren Job. Wie steht es heute um die Computerindustrie in Deutschland?

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Als Heimrechner gedacht, aber zu DDR-Zeiten kaum in einem Heim zu finden: Der KC 87 von Robotron mit auf 2,5 MHz getaktetem U880-Mikroprozessor.

(Bild: Rechenwerk)

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  • Simone Rothe, dpa

"Es war eine Katastrophe" – Ralf Hauboldt, heute Bürgermeister von Sömmerda, war einer von fast 10. 000 Arbeitnehmern, für die am 5. Dezember 1991 das bisherige Berufsleben endete. An dem Tag im Advent vor 25 Jahren kam das endgültige Aus für die DDR-Computerproduktion im thüringischen Sömmerda – und damit für eines der größten Werke des DDR-Megakombinats Robotron mit Hauptsitz in Dresden. Die DDR-Computer mit Namen wie "PC 1715", von denen ab Mitte der 1980er Jahre bis zum Produktionsstopp etwa 150.000 auch für den Ostblock gebaut wurden, sind längst verschrottet oder stehen im Museum. Noch gibt es aber Computerproduktion in Deutschland.

Für die kleine Kreisstadt Sömmerda – heute leben dort noch etwa 19.000 Menschen – war die Schließung des riesigen Werks ein gravierender Einschnitt. "Die Infrastruktur der Stadt war auf das Büromaschinenwerk ausgerichtet", sagt Hauboldt. "Jeder zweite in Sömmerda hat dort gearbeitet." Doch die Katastrophe war auch ein Neuanfang: Aus dem etwa 50 Hektar großen Gelände der Büromaschinenwerk AG Sömmerda, wie das Computer- und Druckerwerk zuletzt hieß, entstand ein Industriepark. Etwa 1200 Arbeitsplätze gibt es nach Schätzungen derzeit dort.

Einer von noch weltweit vier existenten K1840 von Robotron. Sowas ging früher mal als "Superminirechner“ durch.

(Bild: Rechenwerk)

Wie bei anderen zerfallenden DDR-Kombinaten in Jena, Dresden, Leipzig, Magdeburg oder Rostock fanden sich auch dort Gründer, die ihre berufliche Zukunft in die eigenen Hände nahmen und Teilbereiche weiterführten. Fachleute sehen in der Region heute einen breiter aufgestellten Wirtschaftsstandort, der unter anderem von einem großen Daimler-Motorenwerk in Kölleda profitiert. "Sömmerda hat sich wirtschaftlich erholt. Wir haben jetzt eine Arbeitslosenquote um fünf Prozent. Das kann sich sehen lassen", findet der Bürgermeister.

Allerdings habe die Krise dazu geführt, dass viele Facharbeiter, darunter fast eine Generationen an Werkzeugmachern, anderswo ihr berufliches Glück fanden. "Jetzt suchen die Unternehmen qualifizierte Leute", so Hauboldt.

Doch was ist aus der Computerproduktion geworden? Über mehrere Etappen mit Neugründungen ist damit seit einigen Jahren in Sömmerda endgültig Schluss. Der Fujitsu-Konzern, nach eigenen Angaben unterhält er in Augsburg "die einzige verbliebene PC-Fertigung in Deutschland", ist zwar noch in der Stadt und auch in Dresden vertreten. Allerdings mit Niederlassungen, die keine Computer bauen, sondern Serviceleistungen erbringen. Um Fujitsu habe sich in Sömmerda ein Firmennetz gebildet, das insgesamt rund 750 Arbeitsplätze biete, berichtet Fujitsu-Sprecher Michael Erhard.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden spielt die klassische PC-Produktion keine große Rolle mehr in Deutschland: Wurden 2012 noch 5,6 Millionen mobile Computer wie Laptops oder Notebooks von 15 Unternehmen gebaut, so waren es im vergangenen Jahr nur noch rund 338.000 von 14 Firmen.

"Das Gros der Geräte kommt aus Asien. Da gibt es Kostenvorteile", sagt Erhard. Fujitsu setze mit der Produktion von Personal Computern, Workstations, Notebooks oder Servern in Augsburg auf Kundennähe und Technik, die genau auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten ist. "Aber es ist ein Kampf", sagt Erhard. Etwa 1500 Beschäftigte habe das Augsburger Werk.

Der Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) verweist darauf, dass viele Unternehmen Komponenten oder Schaltkreise für die Computerindustrie herstellen und exportieren. "Da gibt es leistungsfähige Unternehmen auch in Sachsen, Sachen-Anhalt und Thüringen", sagt der ZVEI-Landesgeschäftsführer Lars Kroemer.

Insgesamt stehe die Elektrobranche der drei Länder für einen Jahresumsatz von rund zwölf Milliarden Euro und 66.000 Beschäftigte. "Das sind 15.000 mehr als noch vor zehn Jahren." An das Ende des Robotron-Werks in Sömmerda wird an diesem Montag auch das Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn mit einem Blog erinnern, berichtet Sprecher Andreas Stolte. In dem Museum tun übrigens moderne Computer aus Thüringen Dienst: Die Roboter Peter und Petra führen Besucher zu Exponaten. Gebaut wurden das sprechende Roboterpaar in Ilmenau.

Fujitsus PC-Werk in Augsburg (11 Bilder)

Das Fujitsu-Werk in Augsburg-Haunstetten: Der japanische Konzern fertigt hier Mainboards, Desktop-PCs, Notebooks und Server.

(kbe)