Industriestrategie: EU-Kommission nimmt 6G ins Visier

Noch ist in Europa nicht viel von 5G zu sehen, da plant die Brüsseler Regierungsinstitution laut einem geleakten Strategiepapier schon mit dem Nachfolger.

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(Bild: Preechar Bowonkitwanchai/Shutterstock.com)

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Die EU-Kommission ist dabei, einen umfassenden Masterplan für die Reform des Industriesektors festzuzurren. Dabei setzt sie auf Schlüsseltechnologien mit "strategischer Bedeutung" und zählt dazu unter anderem "intelligente Netzwerke und Dienste jenseits von 5G", also solche, die sich bereits "in Richtung 6G" entwickeln. Dies geht aus einem geleakten Entwurf für eine neue Industriestrategie hervor, über den das Online-Magazin "Euractiv" berichtet.

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Bei der vielfach verkündeten Revolution rund um den neuen Mobilfunkstandard 5G hinkt Europa nach Expertenansicht deutlich etwa hinter Teilen Asiens und den USA hinterher. Erste Lizenzen dafür hat die Bundesnetzagentur hierzulande zwar voriges Jahr versteigert, aber der Aufbau von 5G-Netzwerken zieht sich hin, die Anbieter befinden sich noch im Stadium von Pilotprojekten. Für die darauf folgende Mobilfunkgeneration will die Kommission daher nun offenbar frühzeitig die Weichen stellen, damit der alte Kontinent diesmal die Nase vorn hat.

Die Brüsseler Regierungsinstanz plädiert beim 5G-Ausbau und auf dem Weg zu 6G dem Bericht nach vor allem für eine "strategische europäische Partnerschaft" im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation. Die Mitgliedsstaaten sollen dabei ihre "Führung bei Netzwerktechnologien" wiedererlangen beziehungsweise verstärken. Bis dahin gilt es dem Plan nach vor allem, neue Standards für Technologien wie das Internet der Dinge, Robotik, Nanotechnologie, Mikroelektronik, Hochleistungs- und Quantenrechner sowie Dateninfrastrukturen inklusive der Cloud zu setzen.

Zudem zeigt sich die Kommission offenbar bereit, beim Austausch von Informationen zwischen Fahrzeugen untereinander und mit der Straßeninfrastruktur sowie im Sektor Mobilität generell stärker auf 5G zu setzen. Mit ihrer Initiative für "Cooperative Intelligent Transport Systems" (C-ITS) sprach sie sich hauptsächlich für den Standard ITS-G5 aus, also die bereits etablierte und in Pilotprojekten getestete WLAN-Spezifikation 802.11p.

Konzerne wie die Deutsche Telekom und BMW drängten dagegen darauf, für die "Car to Car Communication" (C2X) die Mobilfunktechnik C-V2X einzusetzen. Die entsprechende LTE-Spezifikation sowie 5G seien breiter verwendbar. Der EU-Ministerrat legte sich in diesem Sinne quer und blockierte im Juli den bisherigen C-ITS-Ansatz, sodass ein Neustart fällig ist.

Den Austausch nicht-personenbezogener Daten will die Kommission generell vereinfachen und erweitern. Sie sieht darin eine "Voraussetzung für die breite Inanspruchnahme digitaler Technologien" wie Künstliche Intelligenz (KI) und Blockchain. Für den KI-Sektor erarbeitet die Brüsseler Instanz parallel einen Regulierungsrahmen mit den Schwerpunkten Ethik und Vertrauenswürdigkeit.

Die Kommission betont zudem, dass die skizzierte Industriestrategie eine der hauptsächlichen Antriebskräfte für das Ziel darstellen müsse, bis 2050 über den "Green Deal" eine klimaneutrale Wirtschaft zu erreichen. Ohne ein solches Gegenstück werde es nichts mit den anvisierten Netto-Null-Emissionen. Ins Auge fassen will die Institution daher Durchbrüche für die "Dekarbonisierung" etwa mithilfe einer "sauberen Stahlproduktion". Auch die Wasserstofftechnologie soll durch eine Allianz zwischen Politik und Wirtschaft deutlich vorangetrieben werden.

Weitere Schwerpunkte der Strategie sollen eine stärkere Integration zwischen Rüstungs- und Raumfahrtindustrie sowie der E-Health-Sektor darstellen. Auch für letzteren schwebt der Kommission ein "gemeinsamer Datenraum" trotz hoher Anforderungen an den Erhalt der Privatsphäre vor. Einem gleichberechtigten Spielfeld in der Plattformökonomie will die Kommission mit einem "Digital Services Act" den Boden bereiten. (bme)