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Infineon-Chef vermisst Anreize für Elektromobilität

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Der Chef des Halbleiterherstellers Infineon, Peter Bauer, fordert hierzulande mehr staatliches Engagement bei der Förderung der Elektromobilität. China investiere in dem Segment 20 Milliarden Euro, die USA steckten 2 Milliarden Dollar in die Batterietechnik. "Deutschland darf nicht zurückfallen. Ich habe die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben", sagte Bauer dem Münchner Merkur (Ausgabe vom 9. April).

Denkbar seien außer Steuererleichterungen für E-Autos etwa bevorzugte Parkplätze oder Fahrspuren in Innenstädten. "Es muss in der Stadt einfach bequem und angenehm sein, mit einem Elektroauto zu fahren", sagte Bauer. Der Manager sieht im Ausbau der Elektromobilität ein enormes Wachstumsfeld für den Dax-Konzern. Wesentlich drastischere Anreize für den Umstieg auf elektrische Antriebe hatte jüngst die EU-Kommission ins Gespräch gebracht, wonach in den Innenstädten der Anteil von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bis 2030 halbiert und diese Technik später ganz aus den Cities verbannt werden soll.

Elektromotor für Pkw von Continental

(Bild: heise Autos/Archiv)

Zwar hat die Bundesregierung das ehrgeizige Ziel formuliert, dass bis 2020 eine Million ganz oder teilweise elektrisch angetriebener Autos in Deutschland fahren sollen, doch bislang sind nur wenige tausend batteriebetriebene Autos in der Bundesrepublik unterwegs. Vor Bauer hatte unter anderem auch der VDE davor gewarnt, dass Deutschland beim Thema E-Mobility wegen Mangels an Forschungsgeldern und Fachkräften ins Hintertreffen geraten könnte. Zugleich hatte der Fachverband darauf hingewiesen, dass China bei den Vorkommen an Rohstoffen, die für E-Motoren und Batterien unverzichtbar erscheinen, eine marktbeherrschende Stellung einnehmen könnte.

Angesichts der Debatte um einen beschleunigten Ausstieg aus der Atomkraft sagte der Infineon-Chef, sein Unternehmen sei bereit, höhere Stromkosten, die aus dem Umstieg auf erneuerbare Energien resultieren, zu akzeptieren. Allerdings müssten sich alle über die Folgen klar sein.

"Durch den Bau neuer Stromtrassen und den weiteren Aufbau von Windkraftanlagen wird beispielsweise das Landschaftsbild stark verändert. Davon wäre der einzelne Bürger direkt betroffen. Das ist der Preis, den wir für einen Umstieg zahlen müssen", fügte Bauer hinzu.

Durch die Katastrophe in Japan droht nach Bauers Auffassung keine weltweite Rezession: "Speziell in der Halbleiterbranche gibt es aus meiner Sicht derzeit keinen Grund, von einer Abschwächung des Aufschwungs auszugehen." (ssu)