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Infineon erwartet Verluste in Milliardenhöhe

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Der Chiphersteller Infineon hat heute mit der Ankündigung von drastischen Verlusten die Börsen geschockt. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs 2000/2001 sei wegen der Flaute in der Halbleiterbranche ein Verlust vor Steuern und Zinsen von bis zu 1,17 Milliarden Mark zu erwarten. Auch im Gesamtjahr seien Verluste wahrscheinlich, sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher in München. Beim Umsatz erwartet der Konzern einen starken Einbruch. Trotz der schwierigen Lage will das Unternehmen die angekündigte Kapitalerhöhung bereits in den nächsten Wochen platzieren.

Der Infineon-Aktienkurs brach um zwischenzeitlich 14 Prozent auf 30,40 Euro ein. Er lag damit erstmals deutlich unter dem Ausgabepreis von 35 Euro beim Börsengang im Frühjahr 2000. Der Kurs der Konzernmutter Siemens sank um gut fünf Prozent auf zeitweise 71,30 Euro. Siemens hatte bereits im März gewarnt, die Gewinnziele in diesem Jahr nur ohne Einrechnung von Infineon erreichen zu können.

Der Umsatz werde im dritten Quartal verglichen mit dem Vorquartal um bis zu 30 Prozent sinken, sagte Schumacher. "Auch für das vierte Quartal gibt es keine Anzeichen einer Erholung". Wenn sich der Markt nicht dramatisch drehe, seien weiter rote Zahlen wahrscheinlich. Dies könnte auch für das Gesamtjahr einen Verlust in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro bedeuten. Im ersten Halbjahr lag das Ergebnis vor Steuern und Zinsen bei 456 Millionen Euro.

Die roten Zahlen im dritten Quartal begründete Infineon auch mit Abschreibungen auf Lagerbestände. Mit drastischen Kosteneinsparungen will die Infineon Technologies AG (München) auf Kurs bleiben. Derzeit würden keine neuen Stellen im Konzern geschaffen und frei werdende nicht besetzt. Die Investitionen sollen 2001/02 um eine Milliarde Euro geringer ausfallen als geplant. Zuvor waren die Investitionen für das laufende Jahr von 2,8 auf 2,3 Milliarden Euro gesenkt worden.

Schumacher malte ein düsteres Bild der Branchenlage. "In den USA versuchen Unternehmen sogar, Waren an unsere Distribution zurückzuschicken". Betroffen von der Flaute seien die meisten Geschäftssegmente wie Mobilfunk, Speicherbausteine sowie Sicherheits- und Chipkarten. Im Mobilfunkmarkt seien selbst die bereits stark nach unten korrigierten Prognosen eines Weltabsatzes von 400 bis 450 Millionen Stück sehr optimistisch. Noch im vergangenen Jahr hatte die Branche für 2001 einen von bis zu 550 Millionen Stück erwartet.

Gleichzeitig mit der Verlustankündigung gab Infineon überraschend die Details für die geplante Kapitalerhöhung bekannt. Anfang Juni hatte der Konzern eine Registrierungserklärung bei der US-Wertpapieraufsichtsbehörde eingereicht. Ausgegeben werden sollen noch in diesem Geschäftsjahr bis zu 60 Millionen neue Aktien, sagte Finanzvorstand Peter Fischl. Mit dem Erlös sollen die laufenden Investitionen finanziert werden. dpa / (em)