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Infineon sieht wieder Licht

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Vor seiner Aufspaltung und dem geplanten Börsengang seiner Speichersparte ist der Chipkonzern Infineon um gute Nachrichten bemüht. Vorstandschef Wolfgang Ziebart konnte heute denn auch einige Fortschritte verkünden: Operativ machte der Konzern nach langer Zeit mal wieder Gewinne, auch die Speichersparte schreibt schwarze Zahlen, und die Aufspaltung läuft nach Plan. Dennoch herrscht bei Europas zweitgrößtem Halbleiter-Konzern noch längst nicht eitel Sonnenschein. Schon im laufenden Quartal erwartet Infineon operative Rückschläge. Zudem holen die Schatten der Vergangenheit den lange skandalgebeutelten Konzern ein: An diesem Donnerstag (27. April) treffen sich die Anwälte von Infineon und dem früheren Infineon-Chef Ulrich Schumacher vor Gericht.

Mit der Aufspaltung des Konzerns trennt sich Infineon von 40 Prozent seines Umsatzes. Damit wagt das Unternehmen sechs Jahre nach dem eigenen Börsengang einen Neuanfang. Damals hatte die Euphorie um das Unternehmen ihre Höhepunkt erreicht. Kleinanleger rissen sich beim Börsengang um die hochriskanten Aktien des Chipherstellers, Konzernchef Ulrich Schumacher fuhr im Porsche an der Wall Street vor.

Seither aber ging es bergab mit dem Unternehmen. Infineon häufte Milliardenverluste an, trennte sich spektakulär von Vorstandschef Schumacher und wurde von einem Korruptionsskandal um Vorstand Andreas von Zitzewitz gebeutelt. Da von der Staatsanwaltschaft auch die Rolle Schumachers in der Affäre untersucht wird, weigert sich Infineon, die zweite Hälfte seiner Abfindung von insgesamt gut 5 Millionen Euro auszuzahlen. Am Donnerstag treffen sich die Parteien vor dem Landgericht München zu einer ersten Güteverhandlung.

Ziebart verteidigte heute das Vorgehen des Konzerns. Als bekannt geworden sei, dass die Staatsanwaltschaft auch gegen Schumacher ermittle, habe der Aufsichtsrat keine andere Wahl gehabt, als "in so einer Situation das Vermögen des Unternehmens zu schützen". Schumacher habe sich nicht auf den Vorschlag einlassen wollen, das Geld bis zum Abschluss der Ermittlungen auf einem Treuhandkonto zu parken.

Der aktuelle Vorstandsvorsitzende richtet den Blick aber lieber nach vorne. Mit einem Gewinn vor Steuern und Zinsen von 28 Millionen Euro übertraf Infineon im abgelaufenen Quartal die Erwartungen fast aller Analysten. "Infineon schlägt die Markterwartungen auf allen Ebenen", hieß es zum Beispiel beim Bankhaus Merck Finck in einer ersten Reaktion. Die Infineon-Aktie konnte ihr Tageshoch aber nicht lange halten und lag am Nachmittag nur noch gut ein Prozent im Plus. Denn der Ausblick blieb vage. Ob im laufenden Quartal der Rücksturz in die Verlustzone passieren könnte, ließ Ziebart offen.

Sorgen bereitet vor allem die Kommunikationssparte, die im laufenden Quartal wohl wieder tiefer in die Verlustzone rutschen wird. Ein Grund für die Probleme: Infineon lieferte viele Chips für Siemens-Handys. Seit Siemens das Mobilfunkgeschäft an den taiwanischen BenQ-Konzern verkauft hat, sind die Marktanteile weiter gefallen, was Infineon als Zuliefer sofort zu spüren bekommen hat. Zu einem radikalen Schritt wie bei den Speicherchips mag sich Ziebart in der Kommunikationssparte aber nicht entschließen. Die Sanierung in kleinen Schritten sei zwar mühsam. "Mittel- und langfristig ist es aber besser, den harten Weg der Sanierung zu gehen." (Axel Höpner, dpa) / (anw)