Informatikprofessoren der Uni Bremen sagen wegen Personalmangel Prüfungen ab

Die Uni Bremen soll bis 2010 mindestens 10 Prozent der Professuren abschaffen.

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  • Florian Rötzer

Die Universität Bremen hat noch einen guten Ruf. Letztes Jahr wurde im Rahmen der Exzellenzinitiative aus vier zur Endausscheidung zugelassenen Projekten allerdings nur die Graduiertenschule "Globaler Wandel im Bereich des Meeres" gefördert. Für die diesjährige Exzellenzinitiative wurden im Januar wieder vier von sechs Anträgen zur Endausscheidung zugelassen. Doch die Universität plagen Finanzprobleme, nach den Vorstellungen des Senats sollen bis 2010 mindestens zehn Prozent der Professorenstellen abgebaut werden, vornehmlich im Bereich der Geistes- und Bildungswissenschaften. Die Studenten protestieren, weil auch über die Ausrichtung auf die Forschung und die Förderung der Exzellenzbereiche die Lehre schon jetzt immer stärker unter Druck gerät. Am heutigen Mittwoch wird auf einer Vollversammlung ab drei Uhr über die geplanten Kürzungen gesprochen.

Wegen des jetzt schon herrschenden Stellenmangels haben 17 von insgesamt 21 Bremer Informatikprofessoren in einem offenen Brief vom 2. Februar die betriebene Sparpolitik kritisiert und moniert, dass einige Arbeitsgruppen keine wissenschaftlichen Mitarbeiter mehr beschäftigen können. Diese wären aber nach den Prüfungsordnungen der Studiengänge Informatik, Medieninformatik, Digitale Medien und Systems Engineering als Beisitzer bei mündlichen Prüfungen erforderlich. Daher können, so schreiben die Unterzeichnenden, diese Prüfungen im Wintersemester 2006/07 nicht abgehalten werden.

Die übrigen Unterzeichnenden erklären sich mit dieser Absage solidarisch und bitten um Verständnis bei den Studierenden, die nun ihre Prüfungen in Informatik nicht ablegen können – ausgerechnet nach dem Informatikjahr, dem bereits herrschenden Mangel an Informatikern und den vielen Bekundungen von Politikern zur Bedeutung von Bildung. "Wir können ihnen nur empfehlen", schreiben die Institutsmitglieder, "ihr Recht auf regelmäßige Prüfungen vor dem Bremischen Verwaltungsgericht einzuklagen." Verantwortlich mache man nicht die Universitätsleitung, sagte Informatikprofessor Karl-Heinz Rödiger der taz, sondern die Politik, allerdings habe man den Sparkurs schon zu lange mitgetragen. (fr)