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Informatische Bildung: Grundschüler sollen Algorithmen programmieren können

Die Gesellschaft für Informatik hat Empfehlungen zu den Zielen "informatischer Bildung" veröffentlicht und sieht diese als Allgemeinbildung.

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Computer-Arbeitsplatz in Schule

(Bild: dpa, Friso Gentsch/Symbol)

"Eine bewusste Teilnahme am Leben in unserer Gesellschaft, aber auch die konstruktive Mitgestaltung der Lebenswelt, setzen zunehmend informatische Kompetenzen voraus." Unter diesem Leitbild steht der Ratgeber rund um "Kompetenzen für informatische Bildung im Primarbereich, den die Gesellschaft für Informatik (GI) Ende Januar verabschiedet und am Dienstag veröffentlicht hat.

Mit der Empfehlung will der Verband Bildungspolitikern sowie Lehrern an Grundschulen einen Leitfaden an die Hand geben, "welche Informatikinhalte und -kompetenzen sinnvollerweise bereits in den ersten Schuljahren in die schulische Ausbildung integriert werden sollten". Dabei sei zu bedenken, dass IT-Systeme allgegenwärtig seien und etwa in Form von Mobiltelefonen auch die Lebenswelt und den Alltag schon von Kindern durchdrängen.

Aufgabe der Grundschule sei es in diesem Umfeld, die Fähigkeiten, Interessen und Neigungen von Kindern aufzugreifen "und sie mit den Anforderungen fachlichen und fachübergreifenden Lernens zu verbinden". Damit Schüler Probleme rund um IT-Systeme durch eigenständige Lösungen bewältigen könnten, "ist eine informatische Bildung unabdingbar". Kompetenzen wie ein "strukturiertes Zerlegen von Problemen" oder ein "konstruktives und kreatives Modellieren" von Lösungen trügen wesentlich auch zur Allgemeinbildung bei.

"Geschlechtsbezogene Rollenbilder sind bei Kindern in der Grundschule noch nicht festgelegt", heißt es im Vorwort. Es bestehe daher die Chance, "bereits in jungen Jahren auch Mädchen für Informatik zu begeistern, wenn in dieser Entwicklungsphase informatische Kompetenzen gefördert werden können".

Die Informatik betrachtet laut dem Ratgeber auch Phänomene, die im alltäglichen Leben schon von Kindern vorkommen. Dies betreffe vor allem Algorithmen und Datenstrukturen. So würden etwa Sortierverfahren wie Bucketsort, das die Kleinen vom Ordnen von Spielzeug-Bauteilen in Kisten kennen, auch in der automatisierten Informationsverarbeitung genutzt. Solche Abläufe könnten als Rollenspiele, in eigenen Beschreibungen, grafischen Darstellungen oder "formaler Notation" dargestellt, erprobt oder geprüft werden.

Auf rund 20 Seiten beschreibt der Ratgeber abzudeckende Prozessbereiche und Zielvorstellungen für einzelne Lehrstufen. Bis zum Ende der 4. Klasse sollten die Schüler demnach etwa Algorithmen mit den Grundbausteinen Anweisung, Sequenz, Wiederholung und Verzweigung etwa für die Verschlüsselung von Daten entwerfen, realisieren und testen können. Vor dem Wechsel in eine höhere Schule wäre es auch hilfreich, wenn die Jugendlichen Programmroutinen "unter Verwendung der Fachsprache" vergleichen und ein Informatiksystem selbst programmieren könnten.

Die neue Broschüre ergänzt die bereits bestehenden Empfehlungen der GI zu Bildungsstandards Informatik in den Sekundarstufen I und II sowie zur Ausgestaltung einschlägiger Studiengänge an Hochschulen. Damit liegen nun Orientierungshilfen für die gesamte Bildungskette vor.

Für die konkreten Lehrpläne der einzelnen Schulformen sind hierzulande die Kultusministerien der Länder zuständig. Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) hatte vor ihrem Amtsantritt voriges Jahr gefordert, Informatik müsse bereits in der Grundschule vermittelt und den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen gleichgestellt werden. Verpflichtend ist die die Arbeit mit Algorithmen und Programmieren in der Schule derzeit nur in wenigen Bundesländern wie Bayern, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder Baden-Württemberg. Eine Mehrheit der Deutschen ist dafür, Informatik zumindest ab der 5. Klasse als verbindliches Schulfach einzuführen. (axk)

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