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Infowar mit Computerspielen, Videoclips und Fernsehprogrammen

Der Information Warfare spielt eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung von Terrororganisationen. Aufgrund manch schlechter Erfahrungen, die Israel diesbezüglich gemacht hat, kommt Yaniv Levyatan von der Universität Haifa, der Psychologische Kriegsführung lehrt, zu dem Schluss, der Information Warfare sei manchmal wichtiger als herkömmliche Waffen. Im Gaza-Krieg hat das israelische Militär bereits versucht, hier Vorteile zu erzielen. So wurde der Gazastreifen schon lange vor dem Angriff für Reporter abgeriegelt, um die Informationen besser kontrollieren zu können. Bilder und Informationen sollten allein aus den eigenen Quellen kommen. Deswegen wurden u.a. die Hamas-Sender bombardiert, während man die eigene Kommunikationsarbeit massiv ausgebaut und beispielsweise eine YouTube-Seite des Militärs mit "exklusiven" Videos von Einsätzen eingerichtet hat.

Levyatan schreibt in seiner Studie, die in der Zeitschrift Bitachon Leumi des National Security College erschienen ist, dass Terrororganisationen erhebliche Mittel in den Infowar investieren, "wodurch sie die materielle Kluft zwischen ihnen und ihren konventionell kämpfenden Kräften überbrücken können". Der Info- oder Medienkrieg werde in den neuen und herkömmlichen Medien und anderen technischen Plattformen wie dem Internet oder Computerspielen geführt. Die Organisationen hätten im Medienkrieg auch "eingebaute Vorteile". Hingewiesen wird auf den zweiten Libanon-Krieg. Hier habe die Hisbollah das Ziel gehabt, Israel zu einer unangemessenen Reaktion zu provozieren, um es als "brutales Land" darzustellen. Das sei auch gelungen. Auch die Verwendung der Bevölkerung als "menschliche Schutzschilde" durch die Hisbollah und Hamas habe den Zweck, Israel als unmenschliches Land darzustellen.

Um die Vorteile der gegnerischen Organisationen im Medienkrieg auszugleichen, müsse eine entsprechende Strategie ausgearbeitet werden, in deren Kern das Prinzip steht, dass auch hier wie im konventionellen Krieg das Militär die Initiative übernehmen muss und nicht nur reagieren darf. In diesem Zusammenhang müsse für entsprechende Aufklärung gesorgt werden, die sich erheblich von der für die konventionelle Kriegsführung unterscheide: "Aufklärung für den Infowar muss in Informationen bestehen, welche die Eliten des Gegners sind, welche Struktur sie haben und welche politischen und lokalen Verbindungen sie haben. Es ist wichtig zu wissen, welche Symbole für die Gegner bedeutsam sind, was die primären Informationskanäle der Bevölkerung sind und welche Botschaften verstärkt oder ausgeschaltet werden sollen." Gut sei es auch, die Kampfeinsätze aufzuzeichnen, wie dies bereits teilweise im Gaza-Krieg gemacht wurde, um Vorwürfen einer unangemessenen Gewaltanwendung entgegentreten zu können. Man müsse auch versuchen, die Schwachstellen zwischen der Bevölkerung und den Gegnern aufzuspüren. Wenn beispielsweise Versorgungsengpässe entstehen, könne das Militär die Bevölkerung unterstützen.

Im Grunde schlägt Levyatan vor, dass der Krieg mit tödlichen Waffen von einem Krieg mit kulturellen Waffen ergänzt werden müsse, um die Öffentlichkeit sowie die Bevölkerung in den umkämpften Gebieten gezielt zu beeinflussen oder zu manipulieren: "Information ist eine Waffe. Wie jede Armee in Panzer und Flugzeuge investiert, muss sie auch in Informationswaffen investieren. Die Armee muss Fähigkeiten und Geschicklichkeiten in Bereichen wie Computerspiele, Videoclips und Fernsehprogramme entwickeln, die nicht immer als intrinsischer Bestandteil ihrer Aktivitäten verstanden werden." Wenn man erreiche, durch ein Informationsprodukt dem Gegner zu schaden, dann könne dies bei seiner Bekämpfung wirksamer sein als materielle Gewalt. (Florian Rötzer) / (fr)

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