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Ingress: Wasserspiele von Köln

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Während Sony und Microsoft auf der Spielemesse Gamescom bestimmten, zeigte Google außerhalb des Messegeländes Präsenz: Rund 300 Ingress-Spieler zogen am Samstag durch Köln, um sich in einem Wettkampf zu messen. Als Sieger gingen die Spieler des Teams "Enlightened" vom Platz.

Mit den lokalen Ingress-Turnieren schließt Google-Tochter Niantic eine Lücke in ihrem Spielkonzept. Da das Augmented-Reality-Spiel nur acht Level umfasst, fehlt erfahrenen Spielern bald die Herausforderung. Ingress kennt keine offiziellen Ranglisten oder Achievements: Spieler können die Portale in ihrer Umgebung erobern und sie zu Feldern verbinden – und andere Spieler erobern sie zurück. Das Hin- und Her ohne erkennbares Ende zermürbt jedoch viele Teilnehmer. Doch gerade jetzt, wo Google mit der Vermarktung von Ingress in Deutschland beginnt, braucht Niantic aktive Spieler.

In der aktuellen Serie unter dem Namen #cassandra hat die Firma insgesamt 15 Turniere von Sydney über Manila bis nach New York veranstaltet. Die Turniere sind ganz auf Teamplay angelegt. Die Mannschaften müssen sich selbst organisieren und spezialisieren: Crypto-Teams entschlüsseln die Hinweise, die Niantic über den Spielverlauf veröffentlicht, andere Spieler verfolgen das Geschehen zu Hause am Bildschirm und sagen ihren Teamkollegen, wo Hilfe gebraucht wird.

Trotz Regens hielten 300 Ingress-Spieler bis zum Ende durch.

(Bild: Thorsten Kleinz)

Dank der Gamescom kamen in Köln besonders viele Spieler zusammen: Statt sich in den vollen Messehallen zu drängeln, nutzten viele den Samstag als Gelegenheit zu einer Tour durch die Stadt. So konnten beide Mannschaften mit je elf Teams plus einer Fahrradstaffel zum schnellen Einsatz aufwarten. Die vier Spielfelder oder "Cluster" mit einem Umfang von jeweils mehreren Quadratkilometern hatte Niantic erst kurz vorher festgelegt. Ziel des Spiels: Möglichst viele Portale und Felder zu einem bestimmten Zeitpunkt erobern. Den genauen Moment mussten die Crypto-Teams entschlüsseln, sonst blieb den Spielern nur übrig, fünf Minuten lang möglichst viele Portale zu halten und dann zum nächsten Spielfeld weiterzuziehen. Der beginnende Regen setzte den Spielern zwar zu, die meisten hielten aber bis zur Siegerehrung am frühen Abend durch.

Ein großes Feld westlich von Köln sicherte den grünen "Enlightend"-Spielern den Sieg.

(Bild: Thorsten Kleinz)

Wichtig war die effektive Kommunikation der Teilnehmer: Während sich die Mannschaft der "Resistance" auf Teamspeak und Google Hangouts verließ, setzten die "Enlightend" zusätzlich den Audio-Chat Zello ein, der dem CB-Funk nachempfunden ist und eine schnelle Sprach-Kommunikation der Teamleiter ermöglichte. Die grüne Mannschaft konnte so ihre Ziele effektiver angreifen, wurde aber dennoch oft von der blauen "Resistance" geschlagen. Spielentscheidend war ein Team der Enlightened, das in der Nacht davor ein Feld über den ganzen Westen Kölns geplant hatte und es während des Wettbewerbs aufspannte. Den Resistance-Spielern gelang es nur wenige Sekunden zu spät, das Feld zu zerstören.

Dank dieser Aktion errang Enlightened den Sieg in Köln mit 491 zu 404 Punkten. Nur wenige Stunden später gewann das blaue Team jedoch deutlich in New York, musste sich aber in Chicago geschlagen geben. Insgesamt konnte Enlightened acht Turniere gewinnen, Resistance nur sieben, und Enlightened siegte deutlich nach Punkten.

Niantic gelang es zumindest in Köln, Spieler neu zu motivieren. Gleichzeitig zeigte "Cassandra" die Schwächen von Ingress auf. So konnten die Spieler vor Ort bei stark umkämpften Portalen nicht mehr überblicken, welchem Team sie gerade gehörten, der Android-Client reagiert zu langsam. Noch träger verhielt sich die Intel-Map, die zentrale Übersichtsplattform über den aktuellen Spielstand. Sie hinkt dem Spielgeschehen manchmal sogar mehrere Minuten hinterher, sodass präzise geplante Aktionen aus unerfindlichen Gründen scheitern. Will Niantic seine Spieler nicht vergrätzen und neuen Nachwuchs gewinnen, muss es die technischen Probleme lösen. (ck)