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Ingress und Glass: Google plant Plattform für Geo-Spiele

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Google hat zur Entwicklung seines Outdoor-Spiels Ingress eine eigene Abteilung namens Niantic Labs gegründet. Dessen Product-Manager Brandon Badger stellte das Spiel auf der erstmals in Los Angeles zusammen mit der App Developers Conference (ADC) stattfindenden GDC Next vor. In Ingress kämpfen zwei Spielergruppen um die Vorherrschaft in bestimmten Regionen. Dazu müssen sie virtuelle Portale besetzen, die auf öffentliche Plätze und Kunstwerke platziert wurden. „Wir wollten Orte auswählen, an denen sich die Spieler sicher aufhalten können“, erklärte Badger die Wahl. Um die Portale einnehmen zu können, stehen Spielern verschiedene Waffen zur Wahl, die sie mit Energie aufladen müssen. Die Energie sind wie eine Art Pac-Man-Pillen in den Straßen verteilt. Der Spieler muss mehrmals um den Block laufen, um sie einzusammeln. „Wir experimentieren mit neuen Spielkonzepten. Die zündende Idee war, dass Spieler Portale dann mit der größten Feuerkraft einnehmen können, wenn sie sich in Gruppen zu acht Personen zusammenfinden“, erklärt Badger. Seitdem seien Spieler nicht mehr alleine unterwegs, sondern Ingress habe sich zu einem sozialen Phänomen entwickelt, bei dem sich Spieler an öffentlichen Plätzen treffen, ins Gespräch kommen und echte Freundschaften entstehen.

Ingress & Glass (5 Bilder)

Niantic Labs wollen aus Ingress ein Multi-Plattform-Spiel machen, bei dem mehrere Spieler zusammenarbeiten.

Ingress ist derzeit kostenlos und soll es laut Badger auch möglichst bleiben. Geld will Google über Werbung verdienen, indem sie Events im Spiel und Portale etwa neben Geschäften platzieren, wo Ingress-Spieler einen Rabatt erhalten, oder Firmen besondere Spiel-Gegenstände mit ihrem Namen anbieten. Ebenso ließen sich Codes für Ingress-Energie oder -Waffen in Getränkedeckeln oder ähnlichen Produkten drucken. „Wir haben da vielfälltige Werbemöglichkeiten. Allerdings passen wir auf, dass es kein „Pay-to-Win“ wird.“ Das Konzept scheint bislang aufzugehen. Laut Google habe Ingress bislang etwa eine Millionen Anmeldungen und laut Badger mehrere hunderttausend aktive Spieler.

Während Ingress in einem futuristischen Cyberpunk-Szenario spielt, plant Google nach dem Erfolg, das Konzept auf eine größere Plattform für Geo Games zu heben, auf der eine ganze Reihe von Spielen nach dem Vorbild von Ingress laufen. Sie sollen mit verschiedenen Thematiken auch andere Zielgruppen, Jugendliche, Erwachsene und Rentner, Frauen wie Männer ansprechen. Mit einer solchen Geo-Games-Plattform stellt Google anderen Herstellern das Rüstzeug zur Verfügung, ähnliche Spiele umzusetzen.

Ob dabei auch die Google Glass eingebunden wird, scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Schon jetzt bewirbt Google seine neue Spiele-Plattform mit Bildern der Datenbrille. Doch derzeit sind die Möglichkeiten des ersten Prototypen von Glass noch eingeschränkt, wie Jeff McConathy und David Hatch auf der ADC erklärten. Ihre Firma Trulia bietet eine Glassware-Software an, die Glass-Trägern Informationen zu Immobilien-Angeboten auf die Brille sendet. „Man muss mit diesen Push-Meldungen vorsichtig sein, sie dürfen den Anwender nicht nerven“, erklärte Hatch. Die Bedienoberfläche von Glass sei Apples alten HyperCard-System nachempfunden, dass nach dem Vorbild eines Kartenstapels funktioniert. Vom Startbildschirm ausgehend könne der Anwender am Bügel nach links oder rechts wischen und sehe jeweils die nächste Karte. Auf der rechten Seite vom Startbildschirm bestünden diese aus Push-Meldungen: die jüngste käme zuerst und die weiteren würden nach ihrer Aktualität folgen.

Alle Glassware-Anwendungen könnten nur über Googles-Webservice Daten an Glass senden. Google säße immer in der Mitte und erlaube es Glassware-Entwicklern nicht, direkt vom Smartphone aus mit der Brille zu kommunizieren. Trulia würde den Anwendern Immobilien in ihrer Nähe präsentieren, wisse aber nur ungefähr wo sich die Glassträger aufhalten. „Wir können derzeit keine Echtzeit-Informationen zu Häusern im Blickfeld des Nutzers senden“, erklärte McConathy. Zwar bringe Glass einen Kompass mit, der die Ausrichtung des Trägers ermittelt, seine GPS-Position überträgt Glass aber nur alle zehn Minuten — aus Stromspar- und Datenschutzgründen, wie McConathy mutmaßt. Entwickler könnten zwar die GPS-Position über das Smartphone des Trägers abfragen und mit den Kompass-Informationen von Glass verknüpfen, das sei jedoch sehr knifflig und zu ungenau, um tatsächlich Informationen zu Gebäuden im Blickfeld des Trägers zu übermitteln.

Weil Trulia bislang nur eine Google Glass besitzt, sei es zudem recht langwierig, neue Software-Funktionen zu testen und zu Debuggen. Spiele wie Ingress könnten also bislang Google Glass nur für Push-Meldungen nutzen, die Spieler auf ein Ereignis — etwa den Angriff auf ein Portal – hinweisen. Bis deratige Spiele Glass für Augmented-Reality-Funktionen nutzen, ist es derweil noch ein weiter Weg. (hag)