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Initiative D21 will sich neu aufstellen

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Für Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder war sie 1999 ein Vorzeigeprojekt, die Initiative D21, mit dem er seine Modernisierungspolitik herauskehrte: In der neuartigen Organisationsform einer Private-Public-Partnership ging es inhaltlich um nicht mehr und nicht weniger als Deutschland in den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für das 21. Jahrhundert fit zu machen. Die Form der Private-Public-Partnership war insofern praktisch, als die Regierung Schröder über wenig Geld verfügte, um die Herausforderungen selbst zu meistern, jedoch im Bündnis mit den Firmen öffentlich Tatkraft demonstrieren konnte. Umgekehrt standen dem Firmenbündnis die Türen des Kanzerlamtes und der Ministerbüros weit offen.

Unter dem damaligen Chef von IBM Deutschland, Erwin Staudt, als Vorstand und dem Bundeskanzler als Beiratsvorsitzenden, warnte das partei- und branchenübergreifende Netzwerk von rund 200 Mitgliedsunternehmen und -institutionen sowie politischen Partnern aus Bund, Ländern und Kommunen unaufhörlich vor der so genannten Digitalen Spaltung, warb für Breitbandanschlüsse und gab mit dem (N)Onliner-Atlas Daten über die Zurückgebliebenen des Internetzeitalters heraus, legte sich fürs E-Voting ins Zeug, versuchte Senioren ans Netz zu führen, Computer in die Kindergärten zu bringen, und Mädchen mit dem Girl's Day für Technik zu begeistern.

Dass der Elan der Initiative in jüngster Zeit etwas erschlaffte, lag nicht nur an dem Regierungswechsel im Herbst 2005 und daran, dass Angela Merkel die Zuständigkeit für die Initiative ihres Vorgängers an Bundeswirtschaftsminister Glos delegierte; dummerweise kam D21 unlängst auch der "Präsident" abhanden – den in die Siemens-Korruptionsaffäre verwickelten Zentralvorstand Thomas Ganswindt hatte die Münchner Staatsanwaltschaft Ende vergangenen Jahres für einige Zeit in Untersuchungshaft genommen.

Unter dem neuen Präsidenten Bernd Bischoff, President & CEO von Fujitsu Siemens Computers (FCS), will sich die Initiative nun neu aufstellen. Die drei neuen Säulen werden "Digitale Integration", "Digitale Kompetenz" und "Digitale Exzellenz" sein, erklärte Bischoff heute in Berlin. "Die Ziele sind nicht neu", gab er vor der Presse zu, man wolle aber jetzt die Projekte unter dem Dach der drei Säulen konzentrieren "und etwas fokussierter vorgehen".

Unter der Überschrift "Digitale Exzellenz", erläuterte Bischoff, ginge es vor allem um die Unterstützung von Vorreiter-Trends in den Bereichen Breitband, E-Government und E-Health – "da werden wir das Thema Telemonitoring auf unsere Agenda setzen". Ein Schwerpunkt bleibt auch nach wie vor der Bildungsbereich. Die Entwicklung des IKT-Fachkräftemangels hält der D21-Vorsitzende für alarmierend. Zu beobachten sei eine Parallelität von Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel, und die Diskrepanz zwischen Anforderungs- und Nachfrageprofilen weise auf ein Qualifikationsproblem hin. "Deshalb müssen die Grundlagen bereits in Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten gelegt werden", sonst verliere Deutschland im internationalen Vergleich den Anschluss.

Eines der Projekte, "Die besten Lehrkräfte für Deutschlands Schulen der Zukunft", werde daher im Bereich der Lehrerfortbildung angesiedelt sein und sich gezielt an Referendare und Junglehrkräfte wenden – sie sollen durch "Coaching-Camps" und "Intensivwochen" methodisch und didaktisch auf einen Unterricht "mit sinnvollem IKT-Einsatz" vorbereitet werden. "Schaffen wir es nicht, die mediale Bildung flächendeckend auszubauen, wird die digitale Spaltung von heute zur sozialen Spaltung von morgen".

Staatssekretär Bernd Pfaffenbach vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie unterstrich die Bedeutung, die "Europas größte Partnerschaft zwischen Politik und Wirtschaft für die Informationsgesellschaft" für die Bundesregierung nach wie vor besitze. "Standortsicherung ist der breitere Hintergrund, für den diese Initiative steht". Er erwartet, dass allein durch die Breitband-Initiative in den kommenden fünf Jahren 250.000 neue Arbeitsplätze im Industrie- und Dienstleistungssektor entstehen werden. (Richard Sietmann) / (pmz)