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Initiative preist Öko-Effekt der Telekommunikation

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Den heutigen "Welt-Umwelttag" des United Nations Environment Programme nimmt die Genfer Telekommunikationsbehörde ITU zum Anlass, eine Umweltinitiative für TK-Firmen zu starten. Die Allianz für eine stromsparende, ressourcenbewusste Zukunft trägt den Namen "Global e-Sustainability Initiative" (GeSI). Doch was die ITU in Sachen umweltverträglicher Technik vorstellen wollte, wurde etwas anders als als geplant umgesetzt. Die Beiträge, die von den Gründungsmitgliedern der Initiative – unter anderem AT&T, Ericcsson, Deutsche Telekom und Lucent – eingereicht wurden, sollten zeigen, wie sauber Kommunikationstechnik sein kann. Doch genau über diesen Aspekt ist vorerst wenig zu lesen.

Als Beitrag der deutschen Telekom gilt eine Pressemeldung, nach der sie zwischen 1996 und 2000 den Schadstoffausstoss ihrer Fahrzeugflotte um 25 Prozent reduzieren konnte. British Telecom (BT) steuert zur GeSI-Inauguration eine Studie bei, nach der Videokonferenzen allein im Jahre 2000 geholfen hätten, 150 Millionen Flugmeilen und damit eine Million Tonnen CO2-Ausstoß einzusparen. Für Amerika meldet sich AT&T mit einer Studie zu Wort, nach der die Telearbeit in den USA 110 Millionen Automeilen und damit 50.000 Tonnen CO2 verhindert habe.

Im Vorfeld des Festtages bezweifelten auf der Tagung "Mobile Future and Sustainability" in Amsterdam Wissenschaftler und Designer am letzten Donnerstag allerdings viele Annahmen zur Nachhaltigkeit der IT-Industrie. Als strittig gilt beispielsweise die Behauptung, das der Einsatz von Mobiltelefonen und Videokonferenzen das Volumen der Geschäftsreisen vermindert habe. Als Beispiel, dass Stromsparen nicht auf der Agenda der TK-Firmen steht, verwies Wibo Kole vom holländischen Verbraucherschutzverband auf die Blackberry-Pager der US-amerikanischen Firma Research in Motion (RIM). Diese E-Mail-Pager, die jetzt von der British Telecom für europäische GPRS-Netze angeboten werden, arbeiten mit dem PC zusammen, der eingeschaltet bleiben muss, auch wenn der Besitzer weg ist. Ein Bildschirmschoner bemerkt die Abwesenheit des Users und leitet dann die E-Mail zum Blackberry um.

Was Blackberry und der PC mit "always on" demonstrieren, gilt erst recht für die kommenden UMTS-Geräte. Sie sind immer an und verbrauchen ihrerseits mehr Strom als die Mobiltelefone der zweiten Generation. Antti Lääperi, Vizepräsident Technologie und Strategie beim finnischen Elektronikkonzern Nokia, definierte in Amsterdam die beschworene Umweltverträglichkeit etwas anders: jede Übertragung auf ein UMTS-Device, etwa die zeitversetzte Sendung von Szenen eines Fussballspieles, müsse vor dem Hintergrund der Umweltkosten alter Medien wie Videobänder und Abspielgeräte gesehen und berechnet werden. (Detlef Borchers) / (wst)