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Inmarsat und die Deutsche Telekom planen Internet-Versorgung für Flugverkehr

Die beiden Partner wollen Fluggäste auf Reisen in Europa mit Internet-Zugängen versorgen. Erster Kunde wird die Lufthansa. Ungewöhnlicherweise sollen die Flugzeuge nicht nur per Satellit, sondern fallweise auch per LTE vesorgt werden.

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(Bild: Deutsche Telekom)

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Der Satelliten-Betreiber Inmarsat und die Deutsche Telekom wollen zusammen unter der Bezeichnung European Aviation Network ein gemeinsames Angebot für die Internet-Versorgung im Luftraum aufbauen. Damit wollen die beiden Unternehmen eine Breitbandversorgung an Bord bieten, die der in den heimischen vier Wänden entspricht. Passagiere eines Fliegers teilen sich demnach die Gesamtbandbreite von maximal 75 Megabit pro Sekunde.

Die Telekom will Inmarsats Satelliten-gestützten Dienst europaweit mit 300 eigenen LTE-Bodenstationen ergänzen und dafür einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Der erste Kunde wird ab 2016 Europas größte Fluggesellschaft, die Lufthansa. Passagiere erhalten die Daten auf Kurz- und Mittelstreckenflügen konventionell per WLAN. Telefonate an Bord bleiben jedoch weiterhin untersagt.

Für die Anbindung der Flugzeuge setzen Inmarsat und Telekom auf einen Zwei-Wege-Ansatz: Die über Europa verteilten 300 LTE-Basisstationen versorgen die Flieger bis rund 3000 Meter Höhe (Complementary Ground Component, CGC). Das entspricht dem im Jahr 2014 gestarteten Air-to-Ground-Konzept des US-Unternehmens Gogo (max. 10 MBit/s). Erst jenseits von 3000 Metern kommen Satelliten-Signale hinzu. Inmarsat stehen dafür im Prinzip drei Funkkanäle zur Verfügung, nämlich das L-, Ka- und S-Band. Das European Aviation Network setzt auf 2 x 15 MHz Spektrum aus dem S-Band.

Mit 300 LTE-Bodenstationen für die Flugstrecken in Europa kommt die Telekom nur deshalb aus, weil diese für bis zu 80 Kilometer Reichweite ausgelegt werden. Bei üblicher bodennaher LTE-Abdeckung sind nur Reichweiten bis 10 Kilometer üblich. Ganz neu ist auch dieser Ansatz aber nicht. Google setzt in seinem bisher nur experimentell betriebenen Stratospheren-Plattformen namens Loon LTE-Zellen mit immerhin schon 40 km Durchmesser ein.

Für den Dienst soll Inmarsats EuropaSat-Satellit Ende 2016 seine Position auf 39 Grad Ost in einem geostationären Orbit einnehmen, während die Lufthansa inzwischen schon beginnt, ihre Flugzeuge mit LTE- und Sat-Modems sowie der WLAN-Verteiltechnik aufzurüsten. Für die rund 180 Airbus-A320-Exemplare sind zwei Jahre veranschlagt. Ab 2016 startet zunächst der satellitengestützte WLAN-Internet-Zugang in den Europamaschinen. Ab 2017 will die Lufthansa am Testflugprogramm für die Versorgung per LTE teilnehmen. Die Preise stehen noch nicht fest. Auf Interkontinentalflügen bietet die Lufthansa Bord-WLAN ab 9 Euro pro Stunde an. (dz)