Innenminister warnt Bundesregierung vor Einsatz von BlackBerrys

Thomas de Maizère sieht einen dramatischen Anstieg von Angriffen insbesondere gegen Regierungsnetze. Vor diesem Hintergrund sei es besser, auf die Nutzung von BlackBerry zu verzichten.

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  • Andreas Wilkens

Bundesinnenminister Thomas de Maizière rät Ministern der Bundesregierung und der Bundesverwaltung vom Gebrauch von BlackBerry-Smartphones ab. Laut einem Bericht des Handelsblatts sagte der Minister, die Blackberry-Infrastruktur sei ein geschlossenes firmeneigenes System. Den Zugangsstandard zu den eigenen Netzen müsse aber die Regierung selbst bestimmen können und nicht eine Privatfirma.

De Maizière hatte den anderen Ministerien laut dem Bericht bereits im November 2009 in einem Schreiben geraten, auf die Nutzung sowohl von BlackBerrys als auch iPhones zu verzichten. Der Minister erläuterte nun, es gebe einen "dramatischen Anstieg von Angriffen gegen unsere Netze und insbesondere gegen Regierungsnetze". Deshalb müsse die Regierung sehr darauf bedacht sein, ihr eigenes Netz wirksam zu schützen. Der Sicherheitsexperte der SPD, Sebastian Edathy, hatte im Boulevardblatt "Bild" am Samstag ein generelles Verbot der Nutzung von bestimmten Smartphones in Ministerien angeregt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sieht das Simko2 der Telekom als geeignete Alternative für Regierungsmitglieder an.

Das Sicherheitskonzept des BlackBerry-Betreibers Research in Motion (RIM) stößt nicht nur in Deutschland auf Skepsis. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben bereits angekündigt, die Blackberry-Dienste auf ihrem Staatsgebiet vom 11. Oktober an verbieten zu wollen. Auch in Indien steht der Blackberry-Hersteller RIM wegen der Verschlüsselung seiner Dienste unter Druck. In Saudi Arabien hat er eingewilligt, eigene Server im arabischen Königreich zu installieren. Ursprünglich sollten die Blackberry-Dienste dort ab Freitag wegen Sicherheitsbedenken verboten werden.

RIM selbst betont immer wieder, dass beim Einsatz von Blackberrys mit dem Blackberry Enterprise Service (BES) in Unternehmen die Kommunikation sicher sei, RIM selbst könne gar keinen Zugang zu den Daten gewähren, da man die Schlüssel nicht habe. Etwas anders sieht es beim Blackberry Internet Service (BIS) aus; hier tritt RIM nur als Mittler zwischen Endgerät und Servern mit IETF-Standardprotokollen wie IMAP4, POP3 und SMTP auf. Die Mails treffen beim BIS im Klartext ein. (anw)