Innorobo: Nur die intelligenten Roboter werden überleben

In Lyon hat die Innorobo begonnen. Mit Ausstellungen und einem umfassenden Konferenzprogramm will sich die Veranstaltung drei Tage lang dem Thema Servicerobotik widmen.

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  • Hans-Arthur Marsiske

Die Roboter der Zukunft können laufen, wie hier der Nao (Aldebaran Robotics)...

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Dem Einsatz von Robotern außerhalb von Fabrikhallen werden schon seit Jahren große kommerzielle Aussichten prognostiziert. Doch bislang blieb das tatsächliche Geschäft hinter den Erwartungen zurück. Um die Sache voranzutreiben, stellt das vor zwei Jahren neu etablierte Robotikfestival Innorobo in diesem Jahr mehrere Themenblöcke in den Vordergrund, zu denen Robotiktechnologie Lösungen beisteuern soll. Demnach sollen Roboter helfen, die Probleme alternder Gesellschaften aufzufangen, ein effizienteres Management der Energieressourcen ermöglichen und für eine höhere Lebensqualität in den zukünftigen Megacities sorgen. Außerdem wird Robotik generell als Schlüsseltechnologie zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Länder gesehen.

Die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Technologie bieten auch kleinen Unternehmen Chancen, ins Geschäft zu kommen. Fünf Start-up-Firmen sind im Rahmen eines Wettbewerbs ausgewählt worden, um ihre Ideen am ersten Tag der Innorobo einem Podium internationaler Investoren vorzustellen. Die Finalisten sind FiveFive (Frankreich), HiKoB (Frankreich), Selftech (Portugal), Veterobot (Deutschland) und WittyWorX (Niederlande).

...Auto fahren...

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Erstmals trifft sich im Rahmen der Innorobo auch das European Robotics Forum, eine Initiative, die sich insbesondere die engere Zusammenarbeit von Industrie und akademischer Forschung aufs Banner geschrieben hat. Hierfür wurde im vergangenen Jahr die Organisation euRobotics AISBL (Association Internationale Sans But Lucratif) gegründet, über deren inhaltliche Ausrichtung und Führungspersonal beim diesjährigen Forum entschieden werden soll. Auch der Vorschlag, die bisherigen akademischen und industriellen Robotik-Netzwerke EURON und EUROP in die neue Organisation aufzulösen, muss von den Forumsteilnehmern abgesegnet werden. Insbesondere von akademischer Seite gab und gibt es Bedenken, dass industrielle Interessen die Entwicklung der Robotik zukünftig stärker dominieren könnten.

Das Zusammenwachsen verschiedener Gemeinschaften, die bislang eher getrennte Wege gegangen sind, steht auch auf dem Programm mancher Workshops, die im Rahmen des Forums zusammenkommen. So trafen sich bereits am Dienstagmorgen Forscher verschiedener EU-Projekte, um über die Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Robotik zu diskutieren. Dies dürfte eine Schlüsselfrage sein, denn anders als in großen Fabriken, wo die Produktionsumgebungen an die Roboter angepasst werden können, sodass sie nur stur die immer gleichen Bewegungen ausführen müssen, müssen sich Serviceroboter an ihre jeweiligen Umgebungen anpassen können. Dafür aber braucht es Intelligenz.

...Gegenstände greifen, wie hier der Forschungsroboter iCub...

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Das gilt schon für so vermeintlich einfache Tätigkeiten wie das Abstellen eines Gegenstands. Das Aufheben eines Objekts sei vergleichsweise einfach, sagte Moritz Tenorth, der das EU-Projekt RoboHow vorstellte. Das Absetzen müsse jedoch auf die richtige Weise und an der richtigen Stelle geschehen. Dafür müsse der Roboter nicht nur die Geometrie der Objekte kennen, sondern auch ihre Bedeutung.

Im Wissenserwerb sah Jacek Malek, der über das Rosetta-Projekt sprach, den Flaschenhals. Es sei zudem notwendig, einmal gefundene Lösungen auf andere Systeme übertragen zu können. Viele Firmen beharrten noch zu stark auf ihren eigenen, spezifischen Verfahrensweisen. Arantxa Renteria vom spanischen Forschungsinstitut Tecnalia brachte es auf den Punkt, als sie sagte: „Künstliche Intelligenz ist für die Robotik kein ‚added value‘, sondern der einzige Weg, um zu überleben.“

Salamander-Roboter (2 Bilder)

...und zwischen verschiedenen Fortbewegungsarten wechseln, wie hier der Salamander-Roboter von der Polytechnischen Hochschule Lausanne. (Bild: Hans-Arthur Marsiske)

(mho)