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Innorobo: Roboter fürs richtige Leben gesucht

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Der Smartbot ist im wesentlichen ein Smartphone (nicht im Kaufpreis inbegriffen) auf Rädern.

(Bild: Hans-Arthur Marsiske / heise online)

Fabien Bonnet brachte es am letzten Tag der Innorobo auf den Punkt: Es gehe um Lösungen fürs richtige Leben, sagte der Mitarbeiter der französischen Firma Azimut Monitoring auf der Robotershow in Lyon, nicht um das Vergnügen der early adopters. Doch so weit ist die Robotik eben noch nicht, das ist der vorherrschende Eindruck, den die dreitägige Veranstaltung hinterlässt.

Außer automatischen Staubsaugern und Rasenmähern sowie Robotern zur militärischen Aufklärung und Bombenentschärfung gab es in Lyon keine Serviceroboter zu sehen, die überzeugende Lösungen für Alltagsaufgaben bieten. Viele Plattformen sind nur für Forschungsgruppen oder industrielle Anwender interessant, andere gehen eher als Technikspielzeug durch. Zu letzteren zählt etwa der Smartbot der französischen Firma Overdrive Robotics, der für 160 Euro einem Smartphone Räder verleiht. Der südkoreanische Smart Robot Albert ist mit 300 Euro etwas teurer, bietet aber ausgefeiltere Anwendungen wie Brettspiele für Kinder, die dabei gleichzeitig Lesen lernen können. Das Prinzip ist das gleiche wie beim französischen Gegenstück: Als Gehirn des Roboters fungiert ein Smartphone, das auf die mobile Plattform gesteckt wird.

Mit dem südkoreanischen Smart Robot Albert sollen Kinder spielen...

(Bild: Hans-Arthur Marsiske / heise online)

...und dabei gleichzeitig lernen.

(Bild: Hans-Arthur Marsiske / heise online)

Auch größere Roboter werden zunehmend über Smartphones gesteuert. So lässt sich die aktuelle Position des Rasenmähers Vitirover, der speziell für den Einsatz in Weinpflanzungen gedacht ist, jederzeit feststellen. Auf ein entsprechendes Kommando kommt der Roboter sofort nach Hause.

Die Verbindung mit Mobiltelefonen mag in den kommenden Jahren mehr und mehr auch kommerziell interessante Robotikprodukte hervorbringen. In diesem Jahr waren sie aber noch nicht zu sehen, und so wäre die Innorobo eine eher enttäuschende Veranstaltung geworden – hätte sich nicht parallel dazu am gleichen Ort das European Robotics Forum getroffen. Mit etwa 350 Teilnehmern und einem umfangreichen Workshop-Programm bot diese Veranstaltung interessante Begegnungen und anregende Diskussionen. Zentrales Ereignis war jedoch die Zusammenführung der Netzwerke Euron und Europ zur neuen Organisation euRobotics AISBL (Association Internationale Sans But Lucratif) und die Wahl des 24-köpfigen Board of Directors.

Mit dieser Umstrukturierung soll die Zusammenarbeit mit der EU-Kommission insbesondere bei der Erarbeitung des nächsten Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020 effizienter gestaltet werden. Damit darf euRobotics AISBL wohl als Lobby-Organisation bezeichnet werden. Es bleibt abzuwarten, ob sie Lösungen fürs richtige Leben hervorbringt oder in erster Linie dem Vergnügen der Teilhaber dient. Der wiederholt formulierte Anspruch, zum einzigen Ansprechpartner der Öffentlichkeit für alle Fragen der Robotik zu werden, erscheint jedenfalls angesichts der vielfältigen, auch widersprüchlichen Forschungslandschaft einigermaßen vermessen und wird sich wohl kaum realisieren lassen. (jk)

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