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Innorobo: Warten auf den Paukenschlag

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Von den etwa 100 auf der Branchenshow für Serviceroboter Innorobo in Lyon präsentierten Robotern seien 30 zum ersten Mal in Europa zu sehen, behaupten die Veranstalter. Das lässt sich nicht überprüfen, könnte aber durchaus stimmen. Es würde erklären, warum diese Ausstellung anders wirkt als die gängigen europäischen Robotermessen. Dass der Besucher den Eindruck gewinnen kann, den Willen zur Innovation hier unmittelbar zu spüren, mag aber auch mit dem französischen Zugang zur Robotik zu tun haben, der deutlich spielerischer wirkt als etwa in Deutschland. Natürlich ist allen klar, dass Roboter sich bei konkreten Aufgaben als nützlich erweisen müssen, wenn sie verkauft werden sollen. Aber es schadet nichts, dabei auch etwas Spaß zu haben.

Julien Delbergue merkt man jedenfalls die Freude an, mit der er an der Entwicklung von Robotern arbeitet. Der junge Mann ist erst vor Kurzem zu dem knapp ein Jahr alten Start-Up-Unternehmen EOS Innovation gestoßen, das zunächst den Roboter "e-one" entwickelt hat – einer der 30, die zum ersten Mal in Europa präsentiert werden. Er sei als Gefährte für den Haushalt gedacht, sagt Delbergue, mit dem Schwerpunkt auf kommunikativen Fähigkeiten. Doch dafür gebe es derzeit noch keinen Markt. Daher konzentriere sich die Firma jetzt auf die Entwicklung eines Wachroboters.

Ob das eine vernünftige Strategie ist? Immerhin musste die auf Überwachungsroboter spezialisierte Robowatch GmbH in Berlin erst vor einem Jahr Insolvenz anmelden. Nach dem Erwerb durch die rtb-group Anfang 2011 kann das Geschäft zwar weitergehen. Aber leicht ist es offensichtlich nicht, mit Service-Robotern Geld zu verdienen.

Innorobo: Warten auf den Durchbruch (4 Bilder)

e-one

Julien Delbergue muss noch ein paar Kabel zusammenstecken... (Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Zugleich ist die Branche schon seit einigen Jahren von dem Gefühl geprägt, dass es jederzeit losgehen und sich wie mit einem Paukenschlag ein neuer, boomender Markt eröffnen könnte. Entsprechende Erwartungen werden natürlich auch auf der Innorobo formuliert. So präsentierte Bruno Bonnell, Präsident des französischen Branchenverbands Syrobo, am Donnerstag die unvermeidlichen Torten- und Säulengrafiken. Sie sollten veranschaulichen, wie sich der Weltmarkt für Serviceroboter bis 2013 verdoppeln und bis 2020 sogar verdreißigfachen könnte.

Bei dem Hinweis auf die Erdbebenkatastrophe in Japan, bei der "so viele Roboter wie nie zuvor" im Einsatz seien, vergaloppierte sich Bonnell allerdings etwas. Denn gerade hier zeigt sich, dass die Technologie für solche Anwendungen eben noch nicht reif ist. Obwohl die Feuerwehr in Tokio über einen großen Löschroboter verfügt, kam er am Kernkraftwerk in Fukushima nicht zum Einsatz. Auch bei der sehr zeitkritischen Suche nach Überlebenden verlassen sich Rettungshelfer weiterhin lieber auf Hunde und endoskopische Kameras als auf Roboter.

Gleichwohl dürften Roboter bei der Aufarbeitung der Katastrophe, insbesondere bei der Überprüfung der Infrastruktur und der Erfassung der Schäden eine Rolle spielen, schreibt Robin Murphy, die führende US-Expertin für Rettungsroboter in ihrem Blog. Möglicherweise können auch Roboter von iRobot bei der Kühlung der Kernreaktoren helfen. Die Firma habe ein Team von Mitarbeitern mit vier Robotern dorthin geschickt, sagte Unternehmenschef Colin Angle auf der Innorobo. Angle war bei seinen Ausführungen aber deutlich vorsichtiger als Bonnell, dessen bunte Grafiken er mit der Bemerkung kommentierte, die hätten vor fünf Jahren auch schon so ausgesehen. Roboter – insbesondere der "Warrior", der stark genug ist, um einen Feuerwehrschlauch zu halten –, könnten "vielleicht" helfen. (Hans-Arthur Marsiske) / (vbr)

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