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Innovationen: Open-Source-Veteran soll Deutschland auf die Sprünge helfen

Open-Xchange-Chef Rafael Laguna wird Chef der Agentur für Sprunginnovationen SprinD, die neue Technologien voranbringen soll – wie das US-Vorbild.

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Rafael Laguna (l.) wird von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Berlin vorgestellt.

(Bild: BMBF/Hans-Joachim Rickel)

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Die von der Bundesregierung ins Leben gerufene Agentur für Sprunginnovationen (SprinD) hat einen führenden Kopf: Der langjährige Open-Source-Experte Rafael Laguna soll Gründungsdirektor der Agentur werden und so technologische Schlüsselentwicklungen made in Germany voranbringen. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, und ihr für die Wirtschaft zuständiger Kollege Peter Altmaier (beide CDU), haben Laguna am Mittwoch in Berlin vorgestellt.

Die Ressortleiter folgten damit den Ratschlägen einer im März von ihnen einberufenen Gründungskommission unter dem Vorsitz von Dietmar Harhoff vom Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb. Laguna wirkte in dem Gremium selbst mit, enthielt sich dem Vernehmen nach aber bei der Abstimmung über die Empfehlung zu seiner Person.

Karliczek würdigte den Geschäftsführer und Mitgründer des Kölner Softwarehauses Open-Xchange (OX) als Entrepreneur ganzen Herzens. Er sei mit seiner Firma nicht nur in Deutschland und Europa, sondern auch in Kalifornien am Start und könne damit den Blick der Agenturmitarbeiter "über den Tellerrand" auch der Wissenschaft und Deutschlands hinweg weiten und den "völlig neuen" Ansatz der Agentur bestens unterstützen.

Altmaier sprach von einem "hervorragenden Vorschlag". Bei SprinD müsse es mit Laguna an der Spitze nun darum gehen, dass Unternehmer, Wissenschaftler und Forscher "gemeinsam die PS auf die Straße bringen". Deutschland habe angesichts einer "unerhörten Innovationsbeschleunigung in den letzten Jahren" zwar nicht den "Anschluss in allen Bereichen verloren" und sei etwa im 3D-Druck "vorneweg". Bei der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz (KI) hätten andere aber oft "die Nase vorn".

Als Vorbild für die Agentur nannte der Wirtschaftsminister die "Defense Advanced Research Projects Agency" (DARPA), die beim Pentagon angesiedelt ist. Die US-Behörde hat mit dem "Arpanet" die Basis für das heutige Internet gelegt und maßgeblich an der Entwicklung von Technologien wie GPS, Roboterautos oder Touchscreens mitgewirkt. Unter Sprunginnovationen versteht man komplett neue Technologien oder Ideen, die vor allem aus dem Zusammenwirken verschiedener Bereiche entstehen und auf eine neue Art Probleme lösen. Als jüngere Beispiele gelten neben dem Internet etwa das iPhone mit dem dazugehörigen Ökosystem.

Es gehe um einen Ansatz zwischen der staatlich geförderten Grundlagenforschung und rein anwendungsbezogenen Entwicklungen in der Wirtschaft, verdeutlichte Altmaier. Um dies zu ermöglichen, sei für die Agentur eine "bescheidene Finanzierung" gesichert, die "erst der Anfang" sei. SprinD soll zunächst in zehn Jahren insgesamt eine Milliarde Euro investieren können. Der Minister versicherte der Agentur zudem eine "ordentliche Staatsferne", dort also "keine Beamten" vom grünen Tisch säßen, sondern Unternehmer aus der Praxis. Beobachter bemängeln aber, dass es hierzulande wegen dem ständigen Kampf um Geldtöpfe schon an der Grundlagenforschung und einem innovativen akademischen Mittelbau fehle.

Laguna bezeichnete Open Source und freie Software als "dritten, humanistischen Weg der Digitalisierung" jenseits des Überwachungskapitalismus aus dem Silicon Valley oder der staatsgetriebenen Entwicklung auch autoritärer Technologien in China. Derzeit müssten die Europäer oft "nach Amerika schauen" und verlören so ihre digitale Souveränität, "obwohl wir das eigentlich selbst können".

Für seine wichtigste Aufgabe an der Spitze der Agentur hält der 55-Jährige, Programm-Manager zu finden vom Kaliber des Tesla- und SpaceX-Gründers Elon Musk und ihnen Raum zu geben, um ihre Ideen umzusetzen. Solche Vordenker und Macher "haben wir auch", zeigte sich der gebürtige Leipziger zuversichtlich. "Wir haben sie nur vielleicht noch nicht entdeckt."

Der Gründer selbst hat jüngst etwa mit der offenen Spezifikation "Chat over IMAP" (COI) von sich reden gemacht, die OX angestoßen hat und WhatsApp & Co. auf E-Mail-Ebene Konkurrenz machen soll. Hierzulande arbeiten Größen wie 1&1, die Deutsche Telekom oder Vodafone mit Serversoftware der Kölner. Zuvor hatte Laguna etwa auch ein "Reinheitsgebot" bei Online-Diensten gefordert.

Auf einen genauen Sitz der Agentur wollte sich Karliczek noch nicht festlegen, heißer Aspirant ist aber die Metropolregion Berlin. Die Gründungskommission plädierte für eine urbane Gegend mit starker Wissenschaftsorientierung und einem lebendigen unternehmerischen Umfeld. Festgezurrt werden soll die Örtlichkeit jetzt laut der Ministerin "im Einvernehmen mit dem designierten Direktor". (vbr)