Intel Core i7 jetzt im Handel

Der neue 45-nm-Vierkernprozessor Core i7 ist in drei Varianten erhältlich. Der "kleine" Core i7-920 wird ab 285 Euro verkauft. Passende Boards und DDR3-SDRAM-DIMMs machen Core-i7-Rechner im Vergleich zu typischen Core-2-Systemen aber erheblich teurer.

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Von
  • Christof Windeck

Offenbar um den ersten 45-Nanometer-Prozessoren von AMD zuvorzukommen, die in der vergangenen Woche als "Shanghai"-Opterons erschienen sind, hatte Intel die Berichterstattung über die drei Prozessoren Core i7-965 Extreme Edition, Core i7-940 und Core i7-920 und den Chipsatz X58 bereits ab dem 3. November erlaubt. Doch erst heute legen die unter dem Codenamen Bloomfield entwickelten ersten Vertreter der neuen "Nehalem"-Prozessorgeneration wirklich los. Intel hat nun einige Megabytes an Datenblättern, Specification Updates (Fehlerlisten) und Entwicklerleitfäden auf dem Webserver veröffentlicht, nicht nur zu den Prozessoren selbst, sondern auch zum Chipsatz und zum eigenen Mainboard mit LGA1366-Fassung, dem DX58SO.

Bei vielen Versandhändlern sind die neuen Produkte sowie weitere Mainboards der Firmen Asus, Gigabyte und MSI bereits lieferbar; die CPU-Preise sind dabei auf das erwartete Niveau gefallen: Den Core i7-965 Extreme Edition gibt es ab etwa 990 Euro, er ist damit um rund 30 Prozent billiger als sein Vorgänger Core 2 Extreme QX9770. Einen Core i7-940 gibt es ab etwa 560 Euro, den "billigsten" Core i7-920 ab ungefähr 285 Euro. Damit liegen die Preise für einzelne Prozessoren inklusive Mehrwertsteuer in der Währung Euro – wie bei vielen anderen Prozessoren üblich – ungefähr auf dem Niveau, das die Intel-Preisliste in US-Dollar ohne Steuern für 1000-Stück-Bestellungen durch OEMs nennt, nämlich 999, 562 beziehungsweise 284 US-Dollar. Bisher hatten viele deutsche Einzelhändler für Vorbestellungen deutlich höhere Preise angesetzt – ein Phänomen, das vor dem Erscheinen neuer Prozessoren häufig zu beobachten ist.

Dell XPS 730x

Die Mainboards mit X58-Chipsatz kosten noch immer deutlich mehr als 200 Euro; auch die höheren Preise für DDR3-SDRAM-DIMMs machen Core-i7-Rechner im Vergleich zu typischen Core-2-Systemen erheblich teurer. Es wird erwartet, dass viele PC-Hersteller Core-i7-Systeme offerieren werden; bei Dell ist bereits der XPS 730x aufgetaucht, der auch mit Wasserkühlung (H2C) lieferbar ist, dann aber mindestens 4849 US-Dollar kostet. Billiger ist der Studio XPS mit Core i7. Seltsamerweise bestückt Dell diesen Rechner standardmäßig mit nur zwei Speichermodulen – drei sind aber nötig, um dem integrierten Speichercontroller seine volle Datentransferrate zu entlocken. Auf der Acer-Webseite finden sich bereits Informationen zum Gaming-System Predator G7710 sowie zum Aspire M7720. Der kleinere US-Hersteller Falcon Northwest hat einen Mach V im Angebot, die britische Firma Armari will ihre Workstation-Version heute veröffentlichen. Einige der Core-i7-Systeme dürften auch mit gekoppelten Grafikkarten bestellbar sein (AMD CrossFireX, Nvidia SLI).

Informationen zur Turbo-Boost-Funktion finden sich im Specification Update (PDF-Datei); demnach ist ab Werk bei allen drei Core-i7-Versionen voreingestellt, dass diese (nach Freischaltung per BIOS-Setup) um maximal 133 MHz höher takten, wenn ein, zwei oder drei ihrer physischen Kerne nicht voll ausgelastet sind und sie weder ihre Thermal Design Power (TDP) von 130 Watt noch ihre Grenztemperatur erreicht haben; ist lediglich ein Kern belastet, können sie unter gleichen Bedingungen um zwei Multiplikatorstufen, also 266 MHz, hochschalten (und die Kernspannung steigern). Beim Core i7-965 Extreme Edition sind diese Turbo-Boost-Stufen frei wählbar und die TDP-Grenze lässt sich – bei einem Mainboard mit dazu fähigem BIOS-Setup – ebenfalls überwinden; bei den "normalen" Prozessoren ist der TDP-Grenzwert fest eingestellt, was von einigen Beobachtern als Übertaktungsbegrenzer interpretiert wird. Die Einhaltung der TDP-Begrenzung, der Grenztemperaturen und des maximalen Stroms des Kernspannungswandlers (Thermal Design Current) überwacht bei den Core-i7-Prozessoren eine integrierte Power Control Unit (PCU).

Billigere Core-i7-Varianten plant Intel offenbar in nächster Zeit nicht, auch das Preisniveau bei den LGA1366-Boards dürfte hoch bleiben. Erst im dritten Quartal 2009 (PDF-Datei) sollen billigere Nehalem-Varianten für billigere Desktop-PC-Mainboards mit der Fassung LGA1160 (oder LGA1156) erscheinen, teils mit integriertem Grafikkern (Lynnfield/Havendale). Die taiwanische Digitimes meldet unterdessen – wie üblich unter Berufung auf anonyme Mitarbeiter von Mainboard-Herstellern –, dass Intel die aktuellen LGA775-Prozessoren möglicherweise noch bis ins Jahr 2011 hinein liefern will; bei den Taktfrequenzen scheint es dafür noch Luft zu geben: Während der schnellste Core 2 Duo (E8600) bisher 3,33 GHz bei 65 Watt TDP erreicht, liefert Intel bereits einen LGA771-Xeon-Doppelkern mit 3,4 GHz, FSB1600 und 80 Watt (X5272) – und sogar einen 3,4-GHz-Quad-Core, der allerdings 150 Watt schluckt und sehr teuer ist (X5492). (ciw)