Intel ändert die Nehalem-Roadmap und investiert Milliarden in 32-nm-Fabs

Anders als bisher verkündet, sollen Desktop-PC- und Mobilprozessoren mit integriertem Grafikprozessor nun erst Anfang 2010, aber dann bereits mit 32-Nanometer-Strukturen auf den Markt kommen.

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Von
  • Christof Windeck

Intel-Chef Paul Otellini sprach heute vor dem Economic Club of Washington und kündigte für das laufende Jahr und 2010 Investitionen in Höhe von 7 Milliarden US-Dollar an, um drei Halbleiterchip-Produktionswerke in Arizona, New Mexico und Oregon für die Fertigung von Prozessoren mit 32-Nanometer-Strukturen zu ertüchtigen.

Gleichzeitig meldet Intel eine wesentliche Änderung der CPU-Roadmap: Die im vergangegen Jahr offiziell für das zweite Halbjahr 2009 angekündigten 45-Nanometer-Prozessoren mit Nehalem-Architektur und integrierten Grafikprozessoren werden nicht erscheinen, stattdessen sollen schon Anfang 2010 32-nm-Prozessoren als Multi-Chip Module (MCM) zusammen mit 45-nm-Grafikkernen kommen. Statt Havendale (für Desktop-Rechner) und Auburndale (für Notebooks) sind nun also Clarkdale (Desktop) und Arrandale (Mobile) geplant. Im Lauf der Zeit will Intel erwartungsgemäß auch die anderen Produktkategorien auf 32-nm-Fertigung umstellen. Als Flaggschiff für teure Desktop-Rechner ist eine CPU namens Gulftown mit sechs Kernen und 12 Threads geplant, von der offenbar auch Server-Versionen erscheinen sollen.

Nach bisherigen Spekulationen werden Clarkdale/Arrandale unter dem Produktnamen Core i5 erscheinen. Auch die 32-nm-Prozessorkerne gehören zu der mit dem Core i7 erstmals vorgestellten Nehalem-Generation, bringen aber einige Zusatzfunktionen mit und laufen unter dem Architektur-Codenamen Westmere. Wie bei den ursprünglich geplanten Prozessoren Havendale/Auburndale handelt es sich bei Clarkdale/Arrandale um Dual-Core-CPUs, die dank Hyper-Threading allerdings vier Threads quasi-gleichzeitig verarbeiten. Der L2-Cache soll mit 4 MByte halb so groß sein wie bei den aktuellen Core-i7-Prozessoren, die aber auch doppelt so viele Kerne enthalten. Der integrierte Speichercontroller der Core-i5-Prozessoren bindet zwei DDR3-SDRAM-Kanäle an. Auch die Turbo-Boost-Funktion sollen zumindest einige der kommenden Prozessoren unterstützen, zudem beherrschen die Westmere-Prozessoren Zusatzbefehle für AES-Verschlüsselung. Intel führte in San Francisco erste funktionsfähige Westmere-Prozessoren vor.

Die Produktion der 32-nm-Westmere-Prozessoren soll bereits 2009 anlaufen. Intel setzt dabei erstmals Immersionslithografie ein. Die ebenfalls bereits angekündigten Quad-Core/8-Thread-Prozessoren mit 45-nm-Strukturen namens Lynnfield (Desktop-PC) für künftige LGA1155-Mainboards und Clarksfield (mPGA989m für Notebooks) sollen nach wie vor im zweiten Halbjahr kommen.

Paul Otellini betonte vor dem Economic Club of Washington, dass Intel zwar 75 Prozent seines Umsatzes außerhalb der USA erziele, aber ungefähr 75 Prozent der Produktion innerhalb des Heimatlandes erfolgten und seine Firma dort auch jeweils drei Viertel ihrer Investitionen und Ausgaben für Forschung und Entwicklung tätige. Insgesamt beschäftige Intel mehr als 45.000 Menschen in den USA – Ende 2008 hatte Intel weltweit 83.900 Mitarbeiter, will aber vorwiegend in Asien etwa 5000 bis 6000 Arbeitsplätze abbauen.

Der Intel-Chef betonte nicht zufällig gerade heute die hohen Investitionen in den Standort USA: Bei AMD findet fast gleichzeitig eine Aktionärsversammlung statt, bei der über die Aufspaltung des Unternehmens entschieden wird. Im US-Bundesstaat will die "AMD Foundry Co." für rund 4,6 Milliarden US-Dollar die Fab 4X bauen. Das ist eine der größten Einzelinvestitionen, die jemals in diesem US-Staat getätigt wurde. Intel hingegen betont, bis Ende 2010 insgesamt rund 8 Milliarden US-Dollar für die 32-nm-Fertigung in den USA ausgeben zu wollen. (ciw)